Zum Hauptinhalt springen

Das ist erst der Anfang

Von Thomas Seifert

Leitartikel

Allen ist bewusst, dass gerade die Zukunft der Erde verspielt wird.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 1 Jahr in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Dürre, Stürme, Hitzewellen, Hochwasser. Vom Stubai- bis zum Lavanttal gab es zuletzt zerstörerische Unwetter, von Feldkirch im Westen bis zum Seewinkel im Osten leidet das Land unter akutem Wassermangel.

Wir stecken bereits mittendrin im katastrophalen Klimawandel, aber das alles ist erst der Anfang.

Der Klimawandel verändert die Lebensbedingungen in Österreich, in Europa und auf dem ganzen Planeten in tiefgreifender Weise. Und niemand kann heute behaupten, dass man davon doch nichts wissen konnte. Denn dass die Welt ein fragiler Ort ist, das war vielen schon klar, bevor die Klimawandel-Diskussion zum Stammtischthema wurde: Der Architekt und Philosoph Buckminster Fuller prägte 1967 das Bild vom "Raumschiff Erde", das wie ein Rettungsboot durchs lebensfeindliche Weltall rast. Vor etwas weniger als 50 Jahren erschien das erste von Menschenhand gemachte Foto, auf dem der Planet Erde voll im Blick auf einem Bild zu sehen ist - das von der "Apollo 17"-Crew geschossene Foto wurde als "Die Blaue Murmel" bekannt. Und von der Sonde "Voyager 1" stammt das Foto "Pale Blue Dot" aus dem Jahr 1990, auf dem die Erde aus rund sechs Milliarden Kilometern als kleiner blauer Punkt im Schwarz des Weltraums zu sehen ist.

David Wallace-Wells hat all diese Metaphern in seinem 2019 erschienenen, gruseligen Buch "Die unbewohnbare Erde: Leben nach der Erderwärmung" zusammengetragen und daran erinnert, dass man sich zwar die Wortbilder über den Planeten, nicht aber eine andere Welt aussuchen könne.

Leider fehlt der Menschheit aber bis heute das planetare Bewusstsein, das aus all diesen Metaphern und Bildern spricht, es gibt kein gemeinsames Handeln, auch wenn allen vernunftbegabten Playern längst klar ist, dass gerade die Zukunft verspielt wird.

Besonders deprimierend ist dabei, dass die Herausforderung, den katastrophalen Klimawandel aufzuhalten, keine unmögliche Herkules-Aufgabe darstellt, sondern bewältigbar scheint. Selbst für kühle Rechner, die man mit einer Späthippie-Natur-Sentimentalität nicht zum Umdenken motivieren kann, gibt es keinen Grund, nicht sofort zu handeln: Ausgaben von rund 2 Prozent des globalen Bruttoninlandsprodukts würden genügen, um eine Apokalypse abzuwenden - die Obergrenze liegt bei rund 5 Prozent. Der israelische Historiker Yuval Noah Harari erinnerte in einem Essay im "Time Magazine" daran, dass die Regierungen 2,4 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung für ihre Armeen ausgeben.

Es gibt also keine Entschuldigung für Defaitismus. Im heurigen November kommen Staats- und Regierungschefs zu einem Klimagipfel nach Kairo - und sie alle wissen, was zu tun ist.