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Das ist ja wohl die Krone . . .

Von Manfred A. Schmid

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Gewöhnlich lesen Sie hier über Sendungen, die ausgestrahlt wurden; hin und wieder geht es auch um solche, die nicht mehr ausgestrahlt werden - wie etwa die "Kunst-Stücke", deren Abschaffung wir zuletzt nicht ohne Protest zur Kenntnis genommen haben. Heute berichte ich über eine Sendung, die vom ORF - bisher jedenfalls - nicht gezeigt wurde und bei der es wohl fraglich scheint, ob es je dazu kommen wird.

Der Belgierin Nathalie Borchers ist es gelungen, Licht in die Redaktionsstuben und in das Chefzimmer der einflussreichsten Zeitung des Landes zu bringen. In ihrem Film "Kronenzeitung - Tag für Tag ein Boulevardstück" geht sie der Frage nach, welche Rolle Dichand und sein Blatt beim Aufstieg Jörg Haiders und der FPÖ gespielt haben. Herausgekommen ist ein anschauliches Beispiel für das gefährliche Wechselspiel von Medien und Politik. Zu Wort kommen, neben Redakteuren und Kolumnisten des Blattes, u. a. die Landeshauptleute Niessl und Haider, Herausgeber Dichand und Bundespräsident Klestil. Der Film wurde zweimal vor ausverkauftem Haus im Rahmen der Viennale gezeigt, Freitagabend lief er auf arte. Der ORF aber hat bisher keine Anstalten gezeigt, diese Dokumentation über die Befindlichkeit der österreichischen Seele - mit 2,7 Millionen Leser erreicht das Blatt immerhin 43 Prozent der Zeitungsleser - auszustrahlen. Ob man es sich nicht mit dem mächtigen Zeitungszaren verscherzen will? Zu Dichands 80. Geburtstag vor einem Jahr strahlte der ORF jedenfalls ein Porträt aus, dessen Gestalter sein Haus- und Hofschreiber Ernst Trost war.