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"Das ist kein Pipifax-Ressort"

Von Christian Rösner

Politik
Kultur ist kaum ein Streitpunkt , weil sie Lebensqualität bringt, meint Mailath-Pokorny.
© Urban

Die Digitalisierung der Stadtkultur soll weiter forciert werden.


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"Wiener Zeitung": Im Vergleich zu den anderen Wiener Stadträten machen Sie am wenigsten Negativschlagzeilen - hat das etwas mit dem Kultur-Ressort an sich zu tun?Andreas Mailath-Pokorny: Man sollte jedenfalls nicht den Fehler machen - wie das schon einmal passiert ist -, die Kultur als Pipifax-Ressort zu bezeichnen. Die Bedeutung des Ressorts kann gar nicht groß genug eingeschätzt werden. Das sage ich jetzt nicht, um mich größer zu machen, als ich bin - was physisch gesehen ohnehin schwer ist. Aber die Kultur ist nun einmal ein unverzichtbarer Bestandteil der Lebensqualität in der Stadt. Das ist unbestreitbar und hat sowohl eine soziale als auch finanzielle Komponente. Deswegen ist die Kultur wohl kaum ein Streitpunkt.

Ein Streitpunkt ist aber doch vielleicht das gefloppte Musical der Vereinigten Bühnen in New York. Die Wiener ÖVP sieht hier einen großen Betrugsskandal, sagt, dass die investierten 380.000 Euro verloren sind und fordert, dass Sie die Verantwortung übernehmen.

Es ist ja noch nicht gesagt, dass das Geld tatsächlich verloren ist. Dem Produzenten in New York ist ein Geldgeber von vielen ausgefallen. Ein Vorfall, der jetzt Gegenstand von behördlichen Erhebungen ist. Und selbst wenn keine Produktion zustande kommen sollte, versichert mir die Geschäftsführung, dass diesem Geld materielle und immaterielle Werte gegenüberstehen, die man einlösen kann, um sich schadlos zu halten. Von einem Kriminalfall Vereinigte Bühnen kann man jedenfalls nicht sprechen.

Und die politische Verantwortung?

Bei 5000 Förderanträgen im Jahr wäre ich ganz schlecht beraten, in jede Produktion eingreifen zu wollen. Am Schluss eines Fördervorganges wird abgerechnet. Und erst dann kann ich überhaupt eine politische Verantwortung wahrnehmen. Der eigentliche Schaden ist doch, dass diese Produktion am Broadway jetzt nicht realisiert wird.

Generell wird beklagt, dass die großen Bühnen zu viel Subventionen bekommen und die kleinen zu wenig - selbst vonseiten der Grünen. Was sagen Sie dazu?

Ich halte von der Einteilung in Groß und Klein gar nichts, denn auch die großen Bühnen machen oft etwas, das man von den kleinen erwarten würde. Auf den Mix kommt es an, und der ist gut. Die Theaterförderung für die Kleinen ist bei uns wesentlich höher als etwa in Berlin, Zürich oder anderen vergleichbaren Städten. Und wir sind mit der Höhe der Gesamtkulturförderung mittlerweile schon sehr alleine in Europa.

Es ist also genug für die kleinen Bühnen da?

Ich wäre ein schlechter Kulturstadtrat, wenn ich sagen würde, es ist genügend Geld da.

Ein weiterer Vorwurf lautet, dass die Stadt zu viel Einfluss darauf nimmt, wer welche Förderung bekommt.

Es gibt kaum Kultureinrichtungen, die so genau hinterfragt und überprüft werden, wie die in Wien. Jeder einzelne Cent, der in Wien für Kultur ausgegeben wird, wird zumindest fünfmal öffentlich verhandelt. Wer hier zu wenig Transparenz beklagt, der kann die Entscheidungsprozesse nicht kennen.

Warum nicht mehr privates Geld in die Kultur?

Dort, wo das passiert, wie etwa in den USA, wird Kultur über Steuerbegünstigungen finanziert. Das wiederum reduziert das öffentliche Aufkommen. Das heißt, es wird in Wahrheit auch hier öffentliches Geld investiert - allerdings mit dem Nachteil, dass es nicht demokratisch gelenkt werden kann wie in Europa.

In anderen Städten wird die Kultur immer digitaler - Stichwort "digitale Oper". Hinkt Wien hier nicht ein wenig nach?

Sie können heute viele Inhalte unserer Einrichtungen bereits digital abrufen, wie etwa aus der Stadt- und Landesbibliothek. Aber wir können unseren digitalen Fußabdruck noch größer machen, denn Wien hat viel anzubieten. Eine gemeinsame digitale Strategie der Stadtkultur würde uns sicher guttun - abseits der Bemühungen einzelner Einrichtungen, die schon sehr weit gediehen sind.

Auch was die digitale Oper betrifft?

Unter Umständen gibt es da vielleicht eine Marktnische in Asien. Denn mit den Zeitzonen geht sich Amerika schwer aus. Der Reiz der Geschichte liegt nämlich im Live-Act. Und damit fallen viele Länder auf der Welt weg. Aber ja, im Bereich Digital Culture haben wir noch Gestaltungsspielraum.

Gibt es eigentlich schon eine Standort-Entscheidung für das Wien Museum?

Die Entscheidung zwischen Karlsplatz oder Hauptbahnhof ist noch nicht gefallen. Das hängt von vielen Parametern ab: Kubatur, Anbindung, EU-Förderung und vieles mehr. Außerdem will ich alles transparent halten und alle Parteien miteinbeziehen. Dieses Projekt sollte auf jeden Fall außerhalb des politischen Streits stehen.

Direktor Wolfgang Kos will am Karlsplatz bleiben. Was ist Ihr persönlicher Favorit?

Ich habe noch keinen. Aber das wichtigste Problem des Wien Museums haben wir bereits gelöst: Nächstes Jahr übersiedelt die Sammlung der Stadt Wien mit mehr als einer Million Objekte in ein neues Depot nach Himberg, das sich übrigens in Nachbarschaft zum Depot des Kunsthistorischen Museums befindet.