Zum Hauptinhalt springen

"Das ist mehr als nichts"

Von Karl Leban

Wirtschaft

Abfindungshöhe verärgert Anleger. | AUA-Abgang von der Börse doch erst frühestens im Jänner. | Wien. Nach der endgültigen Übernahme der AUA am 3. September drückt die Deutsche Lufthansa nun wie erwartet aufs Tempo, um bei der rot-weiß-roten Fluglinie auch die restlichen Anteile einzusammeln. Es geht um knapp vier Millionen AUA-Aktien, die noch im Streubesitz sind und einem Anteil von 4,6 Prozent entsprechen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 14 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Für den Squeeze-out, den Ausschluss der Minderheitsaktionäre per Zwangsabfindung, sind die Vorarbeiten mittlerweile de facto abgeschlossen.

Mitte Dezember wird ihn die Lufthansa in einer Sonder-Hauptversammlung der AUA formell besiegeln. Sobald der Gesellschafterausschluss, den das Gesetz ab einem Mehrheitsanteil von 90 Prozent erlaubt, im Firmenbuch vermerkt ist, wird die AUA von der Börse genommen (ihre Notierung in Wien besteht seit 1988). Die Lufthansa rechnet mit dem Delisting jedoch nicht mehr in diesem Jahr, sondern frühestens im Jänner.

So weit so gut. Womit die Kranich-Airline am Freitag allerdings überraschte, war die Ankündigung, den verbliebenen Streubesitz je Aktie mit 50 Cent abfinden zu wollen. Zum Vergleich: Jene Aktionäre aus dem Streubesitz, die das Übernahmeangebot der Lufthansa angenommen hatten, kassierten 4,49 Euro - und damit fast neunmal so viel. Dass Anlegerschützer Wilhelm Rasinger nun auf die Barrikaden steigt, verwundert nicht. Er spricht angesichts der mickrigen Abfindung von einem "instinktlosen Vorgehen der Lufthansa, das die Leute unnötig verärgert". Zumal es ja ohnehin nur noch um eine geringe Stückzahl an Aktien gehe.

David gegen Goliath

Insgesamt wollen die Deutschen für die restlichen 4,6 Prozent rund zwei Millionen Euro zahlen. Scherzhalber heißt es dazu in Finanzkreisen: "Das ist mehr als nichts." Rasinger hat dafür kein Verständnis: "Mit diesem Preis wird zum Ausdruck gebracht, dass die AUA trotz Lufthansa und 500-Millionen-Staatsbeihilfe in noch schlechterem Zustand ist als zuvor. Und das kann nicht sein."

An der Börse stürzte die AUA-Aktie am Freitag im Handelsverlauf um fast 50 Prozent auf 2,20 Euro ab. Fonds, die auf Squeeze-outs spezialisiert sind und sich davon ein Körberlgeld versprechen, kauften sich ein. Rasinger glaubt nicht, "dass die jetzige Abfindung einem gerichtlichen Überprüfungsverfahren standhält". Rechtsstreitigkeiten drohen.