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Das langsame Aussterben der Tiere

Von Edwin Baumgartner

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"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

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Auf dem Wallensteinplatz stand lange Jahre ein Spatzenbaum. Er war unüberhörbar. Auf der Bank darunter Platz zu nehmen - nun ja, die Putzerei war ohnedies nur eine Gasse weit entfernt . . .

Die Putzerei ist weg. Der Baum steht noch immer. Nur Spatzenbaum ist er keiner mehr. Ab und zu kommen ein paar Sperlinge, um sich zu holen, was von Eisstanitzeln und Kebap-Broten abfällt.

Dass die Spatzen aus den Innenstädten verschwunden sind, kann man begründen. Manch einer mag es sogar gut finden. Aber unterm Strich heißt es: Weg ist weg.

In diesem Sinn schlägt der WWF Deutschland Alarm: Dessen Vorstand Christoph Heinrich gab erschreckende Zahlen bekannt. Der Bestand an Flachlandgorillas ist um 69 Prozent geschrumpft, der des Amazonasdelfins um 67 Prozent.

Was gehen uns Gorillas und Süßwasserdelfine an? Na schön: Wir sehen kaum noch Schmetterlinge. Hirschkäfer? - Fehlanzeige. Blindschleichen? Nahezu ausgerottet, weil für Giftschlangen gehalten und sinnlos erschlagen. So ist es auch den Ringelnattern ergangen. Und kaum steckt ein Wolf seine Schnauze heraus, wird er zur mordlüsternen Bestie erklärt und geschossen.

Die Fauna freilich ist wie ein Turm. Wenn man einen Stein herausschlägt, passiert nicht viel, auch nicht bei zwei Steinen. Aber es kommt der Moment, da der Turm instabil wird und zusammenstürzt. Der Mensch wähnt sich ganz oben an der Spitze von Evolution und Nahrungskette. Aber am Ende liegt er unter den Trümmern des Turms begraben.