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Das Leben nach dem Minister-Amt

Von Katharina Schmidt

Politik

Gorbach will nach London, Mainoni importiert Wein und baut einen Skilift. | Nur wenige sind im Klub geblieben. | Wien. Wer schon die Luft der großen weiten Welt geschnuppert hat, der fühlt sich in der Einöde am Land nicht mehr wirklich wohl. Dieser Meinung ist zumindest der ehemalige BZÖ-Vizekanzler Hubert Gorbach. In einem nun öffentlich gewordenen Schreiben vom Juli diesen Jahres wandte sich Gorbach daher an seinen "long-time friend", den britischen Finanzminister Alistair Darling.


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Ob er nicht einen Job für ihn hätte, fragte Gorbach, denn "the world in Vorarlberg" sei "too small" für ihn geworden. Das Schreiben an Darling erging unter dem offiziellen Briefkopf des Ex-Politikers - nur hinter "Vizekanzler" und "Bundesminister" hatte Gorbach handschriftlich "a. D." ("außer Dienst") gesetzt. Darling hat übrigens nie geantwortet.

Doch nicht nur Gorbach blieb eine Rückkehr auf das Polit-Parkett verwehrt, anderen BZÖ-Mitgliedern der Schüssel-Kabinette erging es nicht viel besser.

So ist etwa Karl Schweitzer (Sport-Staatssekretär von 2003 bis 2007) als Turnlehrer an die Handelsakademie Oberwart zurückgekehrt. Seit Schulanfang hat er dort wieder eine volle Lehrverpflichtung. "Er war ja vorher auch schon bei uns und dann längere Zeit weg (17 Jahre, Anm.), aber sonst ist er wie jeder andere Kollege", heißt es aus dem Rektorat. Nebenher ist Schweitzer BZÖ-Landesparteichef im Burgenland - und hat sich als solcher vehement für den Verbleib Peter Westenthalers an der Parteispitze eingesetzt, als dieser im Sommer erneut den Hut nehmen wollte.

Schweitzers Kollege Eduard Mainoni (Verkehrsstaatssekretär von 2004 bis 2007) hat seinen Posten als Salzburger BZÖ-Chef nach internen Querelen zurück gelegt. Seit Juni kocht das "einfache Parteimitglied" sein eigenes privatwirtschaftliches Süppchen. Er ist Geschäftsführer einer Errichtungsgesellschaft, die im Pongau eine 18-Loch-Golfanlage und eine Skilift-Verbindung von Unternach Obertauern plant. Außerdem will Mainoni ein Lokal in Salzburg aufmachen und seine eigenen Weine aus dem Friaul importieren.

Weniger eilig mit einem neuem Job hatte es Karin Gastinger (Justizministerin von 2004 bis 2007), deren Sohn Max mehr als ein Jahr alt ist. Sie ist im August bei der Wiener Consulting-Firma beyond eingestiegen - wegen der familienfreundlichen, weil projektorientierten, Arbeitszeiten.

Gastingers Vorgänger Dieter Böhmdorfer (Justizminister von 2000 bis 2004) hat sich mit einer Rechtsanwaltskanzlei in Wien selbstständig gemacht und tritt im Prozess um den Konzern A-Tec wegen des Verdachts auf betrügerische Krida als Anwalt auf. Bis vergangenen Mai war der Ex-Justizminister auch Aufsichtsrat der ÖBB-Holding.

Der Politik treu geblieben ist hingegen Herbert Scheibner (Verteidigungsminister von 2000 bis 2003): Nach einem Intermezzo als oranger Klubchef hat er diesen Posten im vergangenen Oktober an den zurückgekehrten Westenthaler abtreten und sich mit dem Stellvertreter zufrieden geben müssen. Auch die Schwester von Parteigründer Jörg Haider, Ursula Haubner (Sozialministerin von 2005 bis 2007) muss sich seit Oktober mit dem Klubchef-Stellvertreter Amt abfinden. Glück gehabt hat Sigisbert Dolinschek (Sozial-Staatssekretär von 2005 bis 2007): Hätte Uwe Scheuch nicht sein Mandat niedergelegt, wäre für ihn kein Platz mehr im Klub der kleinen Oppositionspartei gewesen. Ebenfalls in einem politik-nahen Bereich ist Haubners Vorgänger Herbert Haupt (Sozialminister von 2003 bis 2005) geblieben. Der gelernte Tierarzt hat seit dem Jahr 2006 das Amt des Bundesbehindertenanwalts inne.

Kaum aus den Seitenblicken wegzudenken ist der frisch gebackene Vater Karl-Heinz Grasser (Finanzminister von 2000 bis 2007), der allerdings schon lange vor der BZÖ-Gründung der FPÖ den Rücken gekehrt hat. Nach Spekulationen über eine mögliche Nachfolge Wolfgang Schüssels als ÖVP-Chef ist der ehemalige Magna-Manager dann doch wieder in die Privatwirtschaft zurück gekehrt - zu Meinl International Power, der Schwesterfirma der jüngst in heftige Turbulenzen geratenen Meinl European Land.

Für weniger Aufsehen als Grasser sorgt Susanne Riess-Passer (Vizekanzlerin von 2000 bis 2003). Sie managt bereits seit ihrem Ausstieg aus der Politik die Wüstenrot-Bausparkasse.