Zum Hauptinhalt springen

Das Match aus 1988

Von Bernhard Baumgartner

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 12 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Dem ORF zu seinem neuen Kultursender ORFIII zu gratulieren, ist ein bisschen wie Euros nach Athen tragen: sehr riskant und möglicherweise sinnlos. Denn erstens waren die Medien schon (zu Recht) voll des Lobes für den Sender, und zweitens wird das gute Stück ja aus einer Gebührenerhöhung mehr als finanziert. Dennoch ist es gut, dass der ORF nun mehr Fläche für Dokus oder Art House Kino hat. Was jedoch nicht geht, ist, dass nun alles, was irgendwie nach einem Pflichtstück zur Erfüllung des leidigen öffentlich-rechtlichen Auftrages riecht, automatisch von ORF1 und ORF2 nach ORFIII verschoben wird - um auf den Hauptsendern mehr Platz für noch mehr kommerziell relevantes Programm zu machen.

Die gleiche Frage, nur genau anders herum, muss man auch dem gleichzeitig gestarteten ORF-Sport-Spartenkanal stellen. Wie kann es sein, dass man nun einen eigenen Sportsender hat, aber dennoch glaubt, ORF1 zwischen 16.10 Uhr und 21.45 Uhr mit Skifahren und Biathlon blockieren zu müssen? Die Antwort: Weil es das ORF-Gesetz auf Initiative der Privatsender verbietet, im Sportkanal Sportarten zu bringen, die irgendjemanden auch nur im entferntesten interessieren könnten. Das hat dann zur Folge, das ORF Sport plus nun im Hauptabendprogramm Burner wie ein Tennisfinale zwischen Thomas Muster und Horst Skoff aus 1988 (!) zeigt, während ORF1 mit aktuellem Wintersport nur so überquillt. Alleine das zeigt die volle Absurdität des österreichischen Fernsehmarktes.