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Das Mikadospiel der Klima-Diplomaten

Von Claudia Peintner

Politik
Die Sessel der Verhandler werden selten vor Mitternacht geräumt - aus Taktik? Foto: reu

Der lange Weg von den Arbeitssitzungen bis zum Vertrag. | Wien. Mit leeren Händen reisten die Klima-Diplomaten nicht nach Kopenhagen. Sonst wäre es wohl aussichtslos, gemeinsame Standpunkte von 194 Teilnehmer-Ländern innerhalb von zwei Wochen in eine etwa 40 Seiten umfassende Vereinbarung zu bringen.


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Im Vorfeld zu Kopenhagen fanden heuer deshalb bereits fünf Vorbereitungskonferenzen statt. Das Ergebnis: Ein Arbeitsentwurf für das 2012 auslaufende Kyoto-Abkommen von über 600 Seiten. Darin spiegeln sich nicht nur die Hauptziele wider - wie etwa die Reduktion der CO2-Ausstöße oder eine Finanzhilfe für Entwicklungsländer. Es häufen sich vor allem Randbemerkungen in eckigen Klammern. Sie verweisen auf Änderungsvorschläge und konträre Positionen von China, EU & Co.

Wenn sich jetzt im Bella Center am Stadtrand von Kopenhagen tausende Delegierte versammeln, gilt es, genau diese strittigen Textpassagen auszuverhandeln. Immer wieder stimmt man über Positionen ab, schließt Varianten aus, präzisiert Formulierungen - bis der Text deutlich geschrumpft ist. Die Dynamik der Gespräche ähnle einem Mikadospiel, berichten verhandlungserprobte Beamte. Wenn sich einer bewegt, bewegen sich meist auch die anderen Spieler.

Die Spieler am Schauplatz Kopenhagen sind zunächst einmal die unzähligen Untergruppen. Sie tagen nach bestimmten Themen aufgeteilt und versuchen, Lösungen zu erringen. Gleichzeitig stimmen auch die Ländergruppen permanent ihre Verhandlungspositionen intern ab: So treffen sich jeden Morgen nicht nur Vertreter der 27 EU-Staaten zu Besprechungen, sondern auch die Opec-Staaten, die Insel-Staaten oder die Nationen aus Afrika.

Die Ergebnisse kommen schlussendlich im Plenum auf den Tisch, wo bis zu 100 Beamte und die Umweltminister an den Textentwürfen feilen. Die brenzligen Stellen bleiben meistens für die Staats- und Regierungschefs übrig, die zur Endphase des Gipfels um den 17. und 18. Dezember dazustoßen werden.

Sitzfleisch notwendig

Die Moderation und das Schlusswort hat ein Vertreter des Gastgeberlandes Dänemark inne. Laut dem offiziellen Programm finden die Gespräche zwischen 10 und 18 Uhr statt. In der Praxis tagen die Verhandler jedoch bis spät in die Nacht hinein. "Das ist meist auch von den Organisatoren beabsichtigt", wie Anwesende bestätigen. Denn wenn alle schon müde seien, käme es rascher zu Einigungen.