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Das nötige Geld für den Aufschwung

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Kreditinstitute setzen auf Beratung und Förderungen. | Geprüft werden Firmen wohl auch in Zukunft genauer. | Wien. Die Kreditmaschinerie kommt langsam wieder auf Touren. Keine Rede ist mehr von der zum Höhepunkt der Finanzkrise vielbeschworenen - wenn auch nie wirklich nachgewiesenen - Kreditklemme. Bei den österreichischen Unternehmen kehren Aufträge und Investitionsideen langsam zurück, die Banken haben sich bei der Geldvergabe bereits auf den Aufschwung eingestellt.


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Während der Krise sei es in erster Linie darum gegangen, bestehenden Kunden über die schwierige Zeit hinwegzuhelfen, erklärt Erste-Bank-Sprecher Peter Thier. Um Sicherheit zu vermitteln, hätten Erste Bank und Sparkassen im Rahmen der sogenannten "S-Österreich-Initiative" 2009 ursprünglich drei Milliarden Euro an neuen Krediten vergeben wollen. Im Endeffekt seien es dann 5,2 Milliarden Euro geworden - das meiste davon aus der Verlängerung von Betriebsmittelkrediten.

Anfang 2010 habe sich die Situation spürbar gedreht, so Thier. Der Tiefpunkt der Wirtschaftsflaute sei durchschritten, Firmen würden mittlerweile auch langsam wieder Investitionskredite nachfragen. Im ersten Halbjahr 2010 hat die Erste Bank (ohne Sparkassen) Kredite im Gesamtvolumen von 1,1 Milliarden Euro an Klein- und Mittelunternehmen (KMU) vergeben - nach 1,7 Milliarden Euro im Gesamtjahr 2009.

Branchen-Unterschiede

Auch bei der Bank Austria stehen die Zeichen auf Aufschwung. Vor einem Dreivierteljahr wurde eine Kreditaktion speziell für KMU mit 3,5 bis 250 Millionen Euro Umsatz ins Leben gerufen. Dabei geht es sowohl um Betriebsmittel als auch um Investitionskredite. Vergeben wurden bisher insgesamt 1,5 Milliarden Euro an 150 Unternehmen.

Nachfrage bestehe vor allem bei Unternehmen, die nach der Krise wieder erste Aufträge haben und, um diese auszuführen, Liquidität brauchen, meint Firmenkunden-Bereichsleiterin Susanne Wendler. Ob die Aktion im kommenden Jahr fortgesetzt wird, ist noch offen.

Differenziert sieht Ulrich Zacherl, Bereichsleiter für Unternehmensfinanzierung in der Volksbank AG (ÖVAG), die wirtschaftliche Situation der heimischen KMU. Eine Reihe von Betrieben würde die Krise erst jetzt spüren, da dies von Branche zu Branche unterschiedlich sei. Bei der Kreditvergabe sieht Zacherl am Markt derzeit daher eher eine Seitwärtsbewegung. Ende des ersten Halbjahres 2011 könne es aber vielleicht wieder zu einem Anstieg kommen.

Im Volksbanken-Sektor selbst hätten die Unternehmensfinanzierungen 2009 mit einem Plus von knapp 10 Prozent überdurchschnittlich stark zugelegt, so Zacherl. Was die Kreditkonditionen betrifft, würden sich kleinere Unternehmen derzeit etwas leichter tun als große, erklärt Zacherl. Kleinere Finanzierungen würden in Österreich nämlich über regionale Banken abgewickelt, und diese refinanzieren sich in stärkerem Maße günstig durch Spareinlagen.

Ein ähnliches Modell macht sich die Bawag P.S.K. offenbar bei ihrer seit mehr als einem Jahr laufenden Initiative "Unternehmen Österreich" zunutze. Sparer könnten durch neue Veranlagungsprodukte in den Wirtschaftsstandort Österreich investieren, da diese Mittel direkt in Kredite für die österreichische Wirtschaft fließen würden, so Robert Kovar, Bawag-Bereichsleiter für Geschäftskunden. Die Nachfrage habe den Erwartungen entsprochen. Die Investitionsfreude der Unternehmen sei durch die Wirtschaftskrise allerdings noch etwas gedämpft.

Niedriges Zinsniveau

Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien freut man sich in den ersten acht Monaten 2010 über einen Anstieg des Kommerzkredit-Volumens von mehr als 9 Prozent. "Wir haben weder 2009 noch im laufenden Jahr die Gerüchte von der Kreditklemme bestätigen können", heißt es.

Das heißt nicht, dass die Krise nicht zu Veränderungen bei der Kreditvergabe geführt hat. Quer durch die Branche ist damit zu rechnen, dass der Bonität der Kunden auch in Zukunft verstärkt Beachtung geschenkt wird. Praktisch alle Banken haben ihre Beratungstätigkeit für Geschäftskunden intensiviert: Das Spektrum reicht von Ratgebern, wie man sich am besten auf ein Kreditgespräch vorbereitet, bis hin zur Beratung in Bezug auf das interne Liquiditätsmanagement.

Die Kreditinstitute helfen ihren Kunden auch verstärkt dabei, an Förderungen der öffentlichen Hand zu kommen - etwa vom Austria Wirtschaftsservice, von der Kontrollbank oder von der Europäischen Investitionsbank. Generell gibt es jedoch auch einen Trend, dass Unternehmen versuchen, so lange wie möglich mit jener Liquidität zurechtzukommen, die sie aus dem laufenden Geschäft einnehmen. Manche stehen nach den Erfahrungen der Krise dem Thema Fremdfinanzierung eher skeptisch gegenüber und wollen lieber ihr Eigenkapital aufstocken.

Dass man in der Krise versucht habe, durch Kreditaktionen Marktanteile zu gewinnen, wird von den Banken bestritten. Viele erklären, keinerlei Sonderkonditionen angeboten zu haben. Allerdings hat sich das generelle Zinsniveau in den vergangenen Monaten ohnehin auf einem äußerst niedrigen Level bewegt.