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Das Patronat des Passivhauses

Von Bernd Vasari

Politik
Für Wohnen in frischer Luft wollen sich Günter Lang (r.) und Kollegen starkmachen.
© Lang

Michael Ludwig: Errichtung von Passivhäusern nicht im Mittelpunkt.


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Wien. Frische Luft, Behaglichkeit, Nachhaltigkeit. Wenn Günter Lang über das Passivhaus spricht, lässt er immer wieder diese drei Begriffe mit einfließen. Günter Lang ist einer der größten Verfechter des Passivhauses in Österreich. Am liebsten wäre es ihm, wenn alle Gebäude in Österreich nach Passivhaus-Standards gebaut bzw. saniert werden würden. Um das gesamte Bauwesen wie auch Entscheidungsträger für eine laut Lang "energieeffiziente und nachhaltige Bauwirtschaft" zu gewinnen, gründete er nun gemeinsam mit anderen Befürwortern die Passivhaus Austria. Der Verein wurde am Montag in Wien präsentiert.

Die durchgehende Be- und Entlüftung sorge für ständige Frischluftzufuhr und so für eine hohe Lebensqualität, wird Lang nicht müde zu betonen. Auch die Energie- und Kostenersparnis sei enorm. Von 1900 Euro, die ein durchschnittlicher Haushalt derzeit für Heizkosten ausgibt, könnten 1700 Euro ohne Komfortverlust eingespart werden. "Derzeit verheizen wir unser Geld, anstatt es in unserer Volkswirtschaft zu nutzen", kritisiert Lang.

Doch diese Ansicht ist noch nicht bis in die österreichische Bevölkerung durchgedrungen. In der Politik ist man zudem skeptisch ob der viel gepriesenen Kosten-Nutzen-Rechnung eines Passivhauses. Dabei zählte Österreich jahrelang zu den Vorreitern. Bereits 1996 wurde das erste Passivhaus in Österreich gebaut. Heute stehen von 50.000 Passivhäusern weltweit 15.000 in Österreich. Mittlerweile hat man aber an Boden verloren. In Brüssel gilt bereits ab 2015 der Passivhausstandard als Mindeststandard in der Bauordnung. In Wien ist man davon noch weit entfernt.

Nicht die erste Wahl

Es werden zwar weiterhin Passivhäuser gebaut werden, heißt es etwa aus dem Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ), man würde aber nicht das Hauptaugenmerk darauf richten. Zumal die Errichtung von Passivhäusern sehr teuer sei und nach Kenntnissen des Büros auch keine geringeren Energiekosten entstehen würden. Was die von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou in der vergangenen Woche vorgestellten sieben neuen Stadtentwicklungsgebiete betrifft, könne man noch nicht sagen, wie viele Passivhäuser dort entstehen sollen.

Günter Lang kennt die Argumente gegen das Passivhaus. Von seiner Mission abbringen lässt er sich dadurch aber nicht. Er bläst zum Gegenangriff. "Wir werden uns noch massiver für das Passivhaus einsetzen und jenen die Augen öffnen, die noch nicht Bescheid wissen." Auch die Politik wird in die Pflicht genommen. Am Tag der Vereinsgründung präsentiert Passivhaus Austria fünf Forderungen an die nächste Bundesregierung: Die Bauordnung soll ab 2014 verschärft, Neubauförderungen sollen nur bei Erzielung des Passivhaus-Standards verteilt und Energiekosteneinsparungen bei den Mieten angerechnet werden. Auch der Sanierungsscheck des Bundes und Landesförderungen sollen nur noch für Sanierungen bei energetischen Top-Sanierungen erfolgen. Zweischeibenverglasungen sollen etwa nicht mehr gefördert werden.

Das Architekturbüro, das ein Passivhaus baut, soll dafür auch qualifiziert sein, so Lang. Dem Bauarbeiter einfach nur 100 Seiten mit Passivhaus-Standards hinzuknallen, sei hingegen zu wenig. Vielmehr könnte man eine "kurze, knackige Einführung" machen. Das würde mehr bringen. Dennoch: "Gute Passivhaus-Planung will gelernt sein", sagt Lang. Von der investierten Zeit würden Architekten und Bauherren langfristig profitieren, nämlich dann, wenn immer mehr Passivhäuser gebaut werden würden. Davon geht Lang aus. Denn wer will nicht behaglich und nachhaltig in frischer Luft wohnen?