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Das Rittern um die Breitbandnetze

Von Eva Stanzl

Wirtschaft

Österreich im unteren Mittelfeld. | Wifo: 64.200 Jobs durch Glasfaser. | Alpbach. Heimische Telekom-Betreiber heften sich den flächendeckenden Ausbau des Breitband-Netzes auf die Fahnen. Marktführer Telekom Austria (TA) belegte dessen Notwendigkeit am Dienstagabend in Alpbach mit einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo): Demnach liege Österreich im OECD-Vergleich beim Ausbau des Festnetz-Breitbandes mit einer Durchdringung von 21,6 Prozent an 19. Stelle. Spitzenreiter ist Dänemark mit 37,2 Prozent.


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"Mini-Ministerrat"

"Wir haben einen Masterplan für die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) aus 2005, der zum Ziel hatte, Österreich bis 2008 an die 5. Stelle zu bringen", sagte Wifo-Chef Karl Aiginger.

Er kritisierte die mangelnde Umsetzung und plädierte für eine klare Zuständigkeit - etwa durch die Schaffung eines "Mini-Ministerrats" für IKT durch die zuständigen Ministerien für Wissenschaft, Infrastruktur und Wirtschaft.

Nur ein Fünftel des Landes ist an die schnellen Hochtechnologie-Datennetze zur Übertragung großer Datenmengen im Internet angebunden. Die volkwirtschaftlichen Effekte, die sich ergeben würden, wenn allein die Telekom, die das größte Netz des Landes hat, vom alten Kupferkabel-Netz auf Glasfaser umrüsten würde, belaufen sich laut Wifo auf 8,5 Mrd. Euro und würden mehr als 64.200 Arbeitsplätze schaffen. Mit Glasfaser verbundene Basisstationen sind die Voraussetzung für Festnetz- und mobiles Breitband-Internet.

Die TA investiert derzeit 1,5 Mrd. Euro in die Modernisierung ihres Netzes, davon 450 Millionen in Glasfaser-Pilotprojekte. Mit dieser Summe können nur 750.000 Haushalte und Betriebe an das Glasfaser-Netz angeschlossen werden - nicht aber die insgesamt 3,5 Millionen heimischen Haushalte, sagte TA-Chef Hannes Ametsreiter, der einmal mehr auf ein regulatorisches Problem verwies.

Einen weiteren Ausbau des Glasfaser-Netzes will der TA-Chef nur in Angriff nehmen, "wenn die Rahmenbedingungen nicht so sind wie beim Kupferkabel-Netz, sprich: wenn am Ausbau beteiligte Betreiber ihre Investitionen zurückverdienen können". Um Investitionsanreize zu schaffen, müsse man möglichst wenig regulieren. Derzeit muss der Ex-Monopolist seine Tarife der Regulierungsbehörde RTR sechs Wochen vor dem Inkrafttreten bekannt geben. In dieser Zeit können die Mitbewerber jedoch ihre Tarife justieren, was ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffe, kritisiert der Marktführer.

Die alternativen Betreiber argumentieren mit der Marktmacht des Ex-Monopolisten - sowie damit, dass sie der TA für ihre Leitungen Miete zahlen müssen. Das quittiert die TA mit dem Argument, dass sie anderen Betreibern gegenüber eine sogenannte "Öffnungsverpflichtung" haben, die verlangt, dass sie ihre Leitungen nicht über einem bestimmten Preis vermieten müssen. Würde die RTR jedoch die Regulierung lockern, könnte die TA zwar das Netz ausbauen, aber sie könnte erneut als Monopolist hervorgehen.

LTE: Start im Mai 2010

Mehr Bewegung gibt es beim Ausbau des mobilen Breitband. Brancheninsidern zufolge könnten die ersten Frequenzen für die neue Übertragungstechnologie LTE (Long Term Evolution) schon im Mai 2010 vergeben werden. Kräftig umrüsten will bis dahin der kleinste heimische Mobilfunker "3", der laut 3-Chef Berthold Thoma mit "einen dreistelligen Millionenbetrag" auf die neuen Datengeschwindigkeiten setzt - für die es allerdings noch keine Endgeräte gibt.