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Das Schweigen der Stars

Von Tamara Arthofer

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Tag 2 nach dem Rücktritt von Mesut Özil; Tag 2, an dem sich Fußball- und Integrationsexperten an der Causa abarbeiten. Und Tag 2, an dem die DFB-Spieler und Jogi Löw beharrlich schweigen; Dankbekundungen Einzelner für die gemeinsame Zeit ausgenommen. Das ist verständlich, kaum ein Sportler verbrennt sich gerne die Zunge. Und man hat ja auch - ganz im Sinne des verheerenden Krisenmanagements des DFB - zu der Affäre um das in der Öffentlichkeit kritisierte Foto Özils mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan geschwiegen. Dass er dieses damit rechtfertigt, es sei nicht um Politik gegangen, wiewohl er und seine Berater wissen mussten, wie dies inmitten des in Deutschland (wie auch in Österreich) mit Argusaugen beobachteten türkischen Wahlkampf ankommt, zeugt bestenfalls von grenzenloser Naivität. Doch man muss nicht alles an seinem Rundumschlag, der jegliche Selbstkritik vermissen lässt, teilen, um jenseits des Anlassfalls ein Grundproblem zu erkennen, das Özil anspricht: "So lange wir gewinnen, bin ich Deutscher. Verlieren wir, bin ich der Migrant." Dass in diesem Gefühl viel Wahrheit steckt, davon zeugen Dutzende frühere Wortspenden aus der Politik ebenso wie noch viel mehr Stammtischgespräche, in Deutschland wie in Österreich und anderswo, im Fußball und auch sonst. Anstatt darüber zu sprechen, feiern sich nun beide Lager als Sieger - was wiederum nur Verlierer hervorbringt. Das Team, das trotz der WM stolz sein kann auf seine Pluralität und Diversität und dessen Spieler immer dann "No to Racism" sagen, wenn es im Rahmen von Kampagnen opportun ist, könnte dies mit einer Stellungnahme abfedern. Sie würde wohl authentischer wirken als jene des DFB. Aber das ist vielleicht ein bisschen viel verlangt.