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Das Schweigen der Wölfe

Von Manfred A. Schmid

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Gehen Ihnen die geschwätzigen Talkshows, die ab Nachmittag so viele Kanäle verstopfen, auch auf die Nerven? Wenn ja, dann haben Sie hoffentlich am Dienstag um 0.20 Uhr auf 3sat die Sendung "No Talk" gesehen. Gleich sieben wortgewaltige Moderatoren waren da einträchtig im Kreis versammelt und schwiegen einander ausführlich an. Eine halbe Stunde lang fiel kein einziges Wort. Sie saßen da, blickten in die Runde, schrieben irgendetwas in ein Heft oder gaben sich - in den letzten Minuten dieser stummen Talkshow - der Lektüre hin. Günther Jauch nahm es mit stoischer Gelassenheit, Alfred Biolek mit Humor und Arabella Kiesbauer platzte fast vor Lachen, hielt sich dann aber bis auf ein paar leise Kickser doch zurück. Roger Willemsen, der Oberintellektuelle des deutschen Fernsehens, gab sich blasiert wie eh und je und tat so, als ob die Idee zu dieser Sendung von ihm stammen würde. Zu verdanken waren diese kostbaren 30 Minuten gesammelten Schweigens in Wahrheit jedoch dem jungen Filmemacher Uli Wilkes. Immerhin aber ist es den Talk-Größen hoch anzurechnen, dass sie da mitgemacht haben. Bei einem Fernsehereignis, dass sich mit dem legendären lautlosen Klavierstück von John Cage durchaus messen kann.

Jetzt würde ich aber gerne eine ähnliche Sendung auch mit österreichischen Talkmastern sehen. Ob Helmut Zilk es fertig bringen würde, eine halbe Stunde nichts zu sagen? Und Vera Russwurm? Barbara Karlich? Peter Rapp? - Ihnen würde ich beim Schweigen jedenfalls liebend gerne und sehr aufmerksam zuhören.