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Das Slow Food der Fotografie

Von Bernhard Baumgartner

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Wenn man heute einer Zehnjährigen eine Filmdose zeigt und fragt, was das wohl sei, wird man fantasievolle Antworten bekommen - die richtige wird kaum dabei sein (außer vielleicht bei Fans seltener Hobbys). Denn wohl kaum ein Markt hat sich in den vergangenen zehn Jahren so drastisch verändert wie jener der Ausarbeitung von Fotos. Die Umstellung von analoger zu digitaler Fotografie ging rasch und gnadenlos - nicht wenige Unternehmen schafften den Umschwung gar nicht. Umso mehr lässt nun der Finanzvorstand von Cewe-Foto aufhorchen. Er garantiert das Weiterbestehen der analogen Ausarbeitung, obwohl diese in den letzten Jahren praktisch verschwunden ist. "Wir werden die letzte Firma sein, die das macht. Aber wir ziehen das durch", sagt der wackere Kämpfer für die Filmdose. Das ist mutig. Denn auch sein Unternehmen hat es damals kalt erwischt: Bei Cewe machte das analoge Geschäft einst fast 100 Prozent des Umsatzes aus. 2014 produzierte man 2,29 Milliarden Fotos, und nur noch 3,9 Prozent davon stammten von analogen Filmen. Der Rest kam vom Chip. Dazu kommt, dass der Verkauf von Filmen in Deutschland von 2000 bis 2013 um 97 Prozent zurückging.

Die analoge Fotografie mit ihrer ganzen Tradition wird also marginalisiert. Oder besser: Sie wird zum Spielfeld von Liebhabern, die sich ganz bewusst für diese langsamere Form des Fotografierens entscheiden. Eine Form, die völlig dem Zeitgeist, dem es ja gar nicht schnell genug gehen kann, widerspricht. Sozusagen das Slow Food des Bildes. Schön, wenn es bleiben darf.