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Das Sorgenkind der Fußball-Nation Was der ÖFB von der WM lernen muss

Von Simon Rosner

Analysen

Josef Hickersberger ist immer für eine Überraschung gut. So sprach der Teamchef nach qualvollen 90 Minuten gegen Ungarn (1:2) von einem "etwas besseren taktischen Verhalten" seiner Defensive im Vergleich zur 1:4-Pleite gegen Kroatien im vergangenen Mai. Unrecht hatte er nicht. Selbst eine Steigerung von sehr schlecht auf schlecht ist als Fortschritt zu werten, das haben die von ihm Auserwählten am Mittwoch eindrucksvoll bewiesen.


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Der Euro-2008-Architekt Hickersberger ist knapp zwei Jahre vor dem Groß ereignis auf heimischem Boden noch immer damit beschäftigt, das Fundament aufzuschütten. Um ihn herum liegt Baumaterial von nicht gerade bester Qualität, er soll daraus ein zumindest solides Konstrukt errichten. Das ist auch zu schaffen.

Die Weltmeisterschaft hat gezeigt, welche Möglichkeiten die moderne Mannschafts-Betreuung bietet und welche Steigerungsmöglichkeiten sie zulässt. Standen einem Teamchef vor zwei Jahrzehnten lediglich ein bis zwei Assistenten zur Seite, sind es gegenwärtig ganze Betreu er stäbe - vom Tormann-Coach über den Fitness-Trainer bis zum Ernährungswissenschafter. Der Fußball-Verband hat bereits die Absicht geäußert, die Erkenntnisse der WM-Endrunde in Deutschland umzusetzen. Zu diesem Zweck wird sich Hickersberger in naher Zukunft auch mit dem deutschen Fast-Weltmeistermacher Jürgen Klinsmann treffen.

Eines ist jedenfalls schon zwei Jahre vor der EM sicher: Österreich wird in allen Gruppenpartien spielerisch und technisch unterlegen sein. Auch heimische Größen wie Andreas Ivanschitz, Martin Stranzl und Rene Aufhauser sind in dieser Hinsicht weit von der internationalen Spitze entfernt. Sie werden diesen Abstand in den kommenden Jahren nicht wirklich verringern können. Also muss es das Ziel des ÖFB und Josef Hickersbergers sein, die am besten eingespielte, fitteste und taktisch disziplinierteste Mannschaft der Europameisterschaft zu stellen.

Das können letztendlich nur die Spieler selbst umsetzen, die den eingeschlagenen Weg bedingungslos mitgehen müssen. Und zwar täglich, bei ihren Klubs und in ihrer Freizeit. Denn auch das ist eine Lehre der WM, wie die brasilianischen Gourmands erkennen mussten.

Viel hat man von dieser Notwendigkeit beim österreichischen Team gegen Ungarn nicht gesehen. Das erschreckend schwache Zweikampfverhalten einiger Akteure (Scharner!) ist dafür Beleg und nicht allein auf fehlende Spielpraxis zurückzuführen. Wohl fehlt auch die personelle Dichte, die dem Teamchef im Fall schlechter Darbietungen Alternativen gibt, wie sie Trainer anderer Nationen haben. Hickersberger fehlt damit auch ein Druckmittel.

So gesehen sind die drei Niederlagen in diesem Jahr fast ein Segen. Sie sind das beste Argument Hickersbergers an die Seinen, dass sie noch härter an sich und an der Mannschaft arbeiten müssen.