Zum Hauptinhalt springen

Das "Spygate" der Mächtigen

Von Georg Friesenbichler

Politik

Lügen um die Enttarnung einer CIA-Mitarbeiterin. | Washington. Der Krieg gegen den Irak war vorzubereiten. Am 28. Jänner 2003 führte US-Präsident George W. Bush in seiner Rede zur Lage der Nation unter anderem aus: "Die britische Regierung hat erfahren, dass Saddam Hussein kürzlich bedeutende Quantitäten von Uran aus Afrika zu erstehen suchte".


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 18 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Am 6. Juli desselben Jahres - der Krieg hatte längst begonnen - bestritt der ehemalige Diplomat Joseph Wilson in einem Meinungsartikel in der "New York Times", dass Niger, der betreffende Staat, jemals dem Irak bei der Beschaffung von Nuklearmaterial geholfen hatte. Den Kriegsgegnern in- und außerhalb der USA war dies ein weiterer Beleg dafür, dass Bush mit seinen Hinweisen auf Massenvernichtungswaffen Saddams die Nation bewusst in die Irre geführt hatte.

Das Weiße Haus war alarmiert. Der Stabschef von Vizepräsident Richard Cheney, Lewis Libby (55), soll angeblich Reportern gegenüber erzählt haben, dass Wilsons Ehefrau, die Politikwissenschafterin Valerie Plame, für den CIA arbeitet.

Am 14. Juli veröffentlichte Journalist Robert Novak (74) einen Artikel, in dem er Plame enttarnte und sich dabei auf zwei "senior administration officals" berief. Wilson warf daraufhin dem Präsidialamt vor, ihn einschüchtern zu wollen. In der folgenden Sonderermittlung durch Staatsanwalt Patrick Fitzgerald hat Libby mehrfach unter Eid die Unwahrheit über seine Gespräche mit den Reportern erzählt. Deshalb wurde er nun wegen Meineids, Rechtsbehinderung und Falschaussage angeklagt, woraufhin er als Stabsschef zurücktrat.

In den Skandal ist aber noch ein weiterer mächtiger Mann in Washington verwickelt: Karl Rove, stellvertretender Stabschef des Präsidenten, soll gleichfalls mit Journalisten über Plame gesprochen haben und ist möglicherweise der zweite von Novak zitierte Regierungsbeamte. Gegen ihn wird weiter ermittelt.

US-Kommentatoren vergleichen die Affäre mit "Watergate", jenen Abhörskandal, wegen dem US-Präsident Richard Nixon seinen Hut nehmen musste. In Analogie dazu wird jetzt von "Plamegate" oder von "Spygate" gesprochen.