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Das weltweite Uni-Hopping boomt

Von Stephanie Dirnbacher und Klaus Huhold

Wissen

Viele Studenten zieht es in die Ferne. | Österreich: 37.534 Incoming Students. | Wien/Mailand/Rotterdam. Ein Fußballspiel im Madrider Stadion Santiago Bernabeu, durchtanzte Nächte oder Flanieren durch die teure Galerie Vittorio Emanuele in Mailand. Das sind die schönen Nebeneffekte vom Studieren im Ausland. "Es bleibt viel Freizeit zum Feiern", bestätigt Matthias Dirnbacher. Seit September ist der 23-jährige IBWL-Student aus Wien nun schon über das CEMS-Programm (Community of European Management Schools) der Wirtschaftsuni Wien in Italien. Er ist ein wenig betrübt, dass er wieder nach Wien zurückkehren muss. Lieber würde er bei seiner italienischen Freundin bleiben, die er beim Studium auf der Mailänder Universität Bocconi kennen gelernt hat. Die Italiener hat er als "offen und lustig" erlebt. Über den Lehrbetrieb kommt der junge Österreicher ins Schwärmen, auch wenn dieser etwas chaotisch war. "Die Professoren möchten dich weiterbringen. Es ist nicht wie in Wien, wo sie einen durchfallen lassen wollen", erklärt er.


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Auch der 23-jährige Hubert Kreuch schätzt sich glücklich, dass er in Rotterdam einen der begehrten CEMS-Plätze erhalten hat. "Es war lustig", meint der fröhliche Wirtschaftsstudent, "und macht sich sicher nicht schlecht im Lebenslauf." Das CEMS-Programm wird mit einer Graduation abgeschlossen, dieses Jahr findet sie in Dublin statt. Hubert wird auf jeden Fall hinfahren, auch wenn ihm noch einige Kurse für den Abschluss fehlen. "Es ist wie eine Jobmesse, und du kannst dort alle möglichen Interviews führen", berichtet er begeistert.

Gut für den Lebenslauf

Conrad Pramböck von der Personalberatung Neumann International bestätigt: "Auslandserfahrung ist eine Investition in die Zukunft." Besonders bei internationalen Unternehmen und in großen Rechtsanwaltskanzleien sei ein Auslandsstudium ein Muss. Da mittlerweile fast jeder Akademiker ein Auslandssemester vorweisen kann, rät Pramböck dringend, sich die Universitäten gut auszusuchen. Wer an den "Topadressen" studiert, ist den Konkurrenten einen Schritt voraus.

Dass die Studentenschaft weltweit in Bewegung kommt, zeigen auch die Zahlen des Bildungsministeriums. Im Wintersemester 2005 waren 37.534 der insgesamt 203.715 Studenten an Österreichs Universitäten aus dem Ausland.

Eine von ihnen war Doroteya Petrova. Vor fünf Jahren hatte die aufgeweckte 24-Jährige die Aufnahme in die Akademie für Angewandte Kunst geschafft. Seitdem lebt sie in Wien. "Gustav Klimt und Wolfgang Herzig waren die beiden Namen, die mich hierher führten", sagt sie lächelnd. Klimt habe sie schon lange bewundert, und der heute pensionierte Akademieprofessor und Wandmaler Wolfgang Herzig besitzt in Bulgarien einen prominenten Namen.

Oft stecken hinter der Entscheidung, im Ausland zu studieren, aber auch andere Motive. Gerade für unsere deutschen Nachbarn ist ein Studium fernab der Heimat eine Flucht vor dem Numerus-Clausus-System, meint der aus Karlsruhe stammende Tobias Holzschneider.

Als er im Herbst 2004 nach Wien zog, um an der WU zu studieren, war es seine zweite Wahl. Er hatte den Aufnahmetest für die Universität St. Gallen nicht bestanden. Doch sein einjähriger Aufenthalt in der österreichischen Bundeshauptstadt habe ihm gut gefallen. Der Kontakt mit den Wienern hingegen sei schwer herzustellen. "Die Stimmung ist gereizt, weil wir den Einheimischen die Plätze wegnehmen", erklärt sich Tobias die ablehnende Haltung vieler österreichischer Studenten.

Kunst lockt nach Wien

Diese Erfahrung kann Doroteya Petrova nicht teilen. Sie hatte keine Angst, sich in einer fremden Stadt ausgeschlossen zu fühlen. In ihrer am Schwarzen Meer gelegenen Heimatstadt Varna, die als Tourismuszentrum internationales Flair besitzt, hatte sie viel mit Menschen unterschiedlicher Nationalität zu tun.

Der Studienanfang war aber ein Sprung ins kalte Wasser. Die Inhalte der Kurse gefielen ihr zwar gut, doch traf sie auf ganz andere Strukturen, als sie es aus ihrer Heimat gewohnt war. Dort waren das Tagesprogramm und die zu verrichtenden Arbeiten klar vorgegeben. In Wien hatte sich die junge Bulgarin mehr Organisation, mehr handwerklichen Unterricht und klarere Aufgabenstellungen erwartet.

Angetan ist Doroteya von den Chancen, die Wien für junge Künstler bietet: Die Akademie stellt Arbeitsräume zur Verfügung, und es gibt viele Auftragsmöglichkeiten und Wettbewerbe. Außerdem haben die Leute hier "Geld, Zeit und Lust, in Kunst zu investieren. In den Wohnungen wird viel Wert auf ästhetische Einrichtung gelegt", meint die Bulgarin. In ihrer Heimat sei die Situation anders: In Sofia gebe es nur drei gute Galerien und immense Konkurrenz. Generell sei das Leben hier leichter zu bewältigen als in Bulgarien. "Dort musst du im Alltag viel mehr kämpfen."