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Das Ziel lautet derzeit weniger Druck

Von David Ignatius

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In den Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran geht es nun darum, gegenseitige Zugeständnisse zu machen, die oft nicht einfach sind.


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Die Atomverhandlungen zwischen USA und Iran kommen in eine entscheidende Phase. US-Regierungsvertreter ziehen einen zweistufigen Prozess in Betracht, der mit einem Einfrieren und einem bescheidenen Herunterschrauben der Urananreicherung des Iran sowie einer begrenzten Abschwächung der Wirtschaftssanktionen beginnt. Sie hoffen, dass auf diese erste Phase später ein umfassenderes Abkommen folgen wird, das im Gegenzug für einen überprüfbaren Stillstand der iranischen Atomwaffenbefähigung alle Sanktionen aufhebt. Die zweite Phase ist noch viele Monate entfernt, aber diese mögliche Form der ersten Phase wird wahrscheinlich am Donnerstag bei den Verhandlungen zwischen der 5+1-Gruppe und dem Iran in Genf besprochen werden.

Was diese entscheidende nächste Verhandlungsrunde vorantreibt, ist der gegenseitige Druck: Der Iran will rasch von den Sanktionen entlastet werden, die seine Wirtschaft lähmen. Die USA wollen das Anreicherungsprogramm des Iran stoppen, das ihn Monat für Monat näher an potenzielle Atomwaffen heranführt. US-Regierungsvertreter sehen ihr Ziel in der ersten Phase darin, den Zeitdruck zu nehmen und sogar etwas mehr Zeit einzuräumen. Die Absicht ist, den Druck auf beiden Seiten genug zu reduzieren und für ausreichend zusätzliche Transparenz zu sorgen, um ausgeweitete Verhandlungen zu ermöglichen.

Wie bei allen Verhandlungen will jede Seite größtmöglichen Nutzen zu möglichst geringen Kosten. Aber manchmal sind die Forderungen der einen Seite größer als das, was die andere Seite zu zahlen bereit ist - und ein sonst machbarer Deal kommt nicht zustande. Obwohl sich die Verhandler auf beiden Seiten optimistisch geben, könnte das passieren.

Wie auch immer, die Annäherung an einen möglichen Kompromiss war in den vergangenen Wochen deutlich. Die USA wollen, dass beide Seiten den Druck etwas reduzieren: Der Westen könnte dem Iran den Zugang zu Teilen seiner mittels Sanktionen eingefrorenen Öleinnahmen ermöglichen. Iranische Quellen sagten mir, dass der Iran daraufhin seinen Bestand an 20 Prozent angereichertem Uran umwandeln und seinen Bestand an 3,5 Prozent angereichertem Uran deckeln könnte.

Sowohl iranische als auch US-Experten haben in den vergangenen Monaten den gleichen Rahmen für ein endgültiges Abkommen beschrieben - eine überprüfbare Vorgangsweise, die den Westen beruhigt, dass der Iran nicht mit seinen bestehenden Zentrifugen oder irgendwelchen versteckten Einrichtungen schnell eine Atombombe bauen kann. Das würde ein Maß an Kontrolle bedeuten, das für die Iraner schwer zu akzeptieren wäre. Doch Irans Präsident Hassan Rouhani sagte mir im September, Teheran ziehe solche Transparenzmaßnahmen in Betracht.

Wiegt der Nutzen die Kosten für einen solchen Deal auf? Das werden beide Seiten in den nächsten Monaten überdenken müssen. Es ist ein machbarer Putt, wie Golfer zu sagen pflegen, aber weit davon entfernt, eine sichere Sache zu sein.

Übersetzung: Redaktion