Zum Hauptinhalt springen

Demokraten wittern Morgenluft

Von Wolfgang Tucek

Politik

Bush wird dieses Jahr seinen Urlaub mehrmals unterbrechen müssen, um mit dem Sammeln von Wahlspenden zu beginnen. Sein bisher komfortabler Vorsprung auf die Kandidaten der Demokraten schrumpft nämlich zusehends. Die Wirtschaftsdaten sind schlecht, täglich sterben US-Soldaten im Irak und dem Präsidenten wird Unehrlichkeit gegenüber seiner Bevölkerung vorgeworfen. Die Herausforderer wittern ihre Chance.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 22 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Während und kurz nach dem Irak-Krieg erreichten die Zustimmungswerte für Präsident George W. Bush über 70 Prozent. In jüngeren Umfragen bescheinigten nur mehr knapp über 50 Prozent ihrem Präsidenten Zustimmung für seine Amtsführung. Die täglichen Verluste im Nachkriegs-Irak, die verzerrte Wiedergabe von Geheimdienstberichten in der Rede zur Lage der Nation und die prekäre wirtschaftliche Situation der USA geben den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Aufwind.

Die andauernde Rezession und die stagnierende Lage am Arbeitsmarkt verunsichern die Amerikaner zunehmend. Bush antwortete auf die Krise mit Steuerentlastungen, von denen zwar Konzerne und Super-Reiche profitierten, die aber den unteren Mittelschichten kaum etwas brachten. Schon Bill Clinton gewann 1992 die Wahlen mit dem Arbeitsmotto "It's the economy, stupid" gegen einen im Irak-Krieg siegreichen George Bush senior. Pikanterweise müssen die Demokraten also auf das Ausbleiben eines Wirtschaftsaufschwunges hoffen, um ihre Chancen gegen Bush junior zu wahren.

Und Vater Bush wurde nie vorgeworfen, er habe die Öffentlichkeit belogen, um einen Krieg zu legitimieren, während einer neuen Gallup-Umfrage zufolge 31 Prozent der befragten US-Bürger der Meinung sind, dass der aktuelle Bush sie "absichtlich in die Irre führte".

Favoriten zeichnen sich ab

Beim demokratischen Wahlkampfauftakt Anfang Mai war noch der ehemalige Al Gore-Vizepräsidentenkandidat Joseph Lieberman der große Wortführer, der siegesicher erklärte, er habe Bush (in absoluten Stimmen) bereits einmal geschlagen. Jüngst etwas ins Hintertreffen geraten, warnte er noch am Montag, dass zu linke Ideen die Demokraten in die politische Isolation führen würden. Die anderen Favoriten sind nämlich gerade der Links-Rhetoriker Howard Dean und der beliebte Senator John Kerry, der versucht, Dean in dessen Fahrwasser aus dem Windschatten anzugreifen, sowie der demokratische Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Dick Gephardt. Der liberale Dennis Kucinich scheint derzeit ebenso in die Bedeutungslosigkeit abzugleiten wie die Senatoren John Edwards und Bob Graham, der Prediger Al Sharpton und die Botschafterin Carol Moseley Brown.

Die Wahlkampffinanzierung

Auf dem entscheidenden Gebiet des Spendensammelns stehen die Herausforderer gegenüber dem Präsidenten nicht sehr gut da. Der Wahlkampf bis zu den Vorwahlen im Jänner - für den schließlich auserwählten Bush-Gegenkandidaten bis November 2004 - will finanziert sein. "Es gibt zwei Dinge, die wichtig sind in der Politik. Das erste ist Geld, und an das zweite kann ich mich nicht mehr erinnern.", sagte schon der republikanische Senator Mark Hanna 1896. Und Bush sammelt Wahlspenden, dass seinen potentiellen Gegnern ganz schwindlig wird. 170 Mill. Dollar hat er sich für diesen Wahlkampf vorgenommen. Die in den USA derzeit sehr starken konservativen Medien, allen voran Rupert Murdoch, werden dem Präsidenten ebenso finanziell unter die Arme greifen wie die jüngst sehr zuvorkommend bediente Öl- und Waffenindustrie.

Kommt Hillary?

Die einzige demokratische Protagonistin, die hier Paroli bieten könnte, wäre die ehemalige First Lady Hillary Clinton, deren Präsentation ihres Buches "Living History" - entgegen ihrer Dementis - vielfach als Wahlkampfauftakt gedeutet wurde. Bei ihr stehen die Fans Schlange, um 25.000 Dollar für ein Abendessen mit ihr im großen Kreis hinzulegen.