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Demonstrationen arteten in Gewalt aus

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

Krawalle eskalierten am Wochenende. | 900 Verhaftungen, 100 Verletzte. | Hongkong. Nach vier Tagen mit überwiegend friedlichen Protesten gegen den Gipfel der Welthandelsorganisation (WTO) eskalierte am Samstag in Hongkong die Gewalt. Etwa 3000 bis 4000 Demonstranten versuchten, über einen Lagerplatz am Hafen zum Konferenzzentrum vorzudringen, das von der Polizei hermetisch abgeriegelt wurde. Delegierte und Journalisten saßen stundenlang fest. Die Demonstranten versuchten, Barrieren mit Seilen niederzureißen. Die Polizei reagierte mit Wasserwerfern, Tränengas und Pfefferspray.


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Einer Gruppe von rund 1000 großteils koreanischen Globalisierungsgegnern gelang es, sich vom großen Protestzug abzusetzen und über eine Nebenstraße in unmittelbare Nähe des Konferenzzentrums zu gelangen. Dabei wurden etliche Plakatwände niedergerissen, was den Demonstranten die Gelegenheit gab, sich mit Holzlatten zu bewaffnen, mit denen sie Polizeibeamte attackierten. Diese wiederum gingen mit Knüppeln und Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor.

Am späteren Samstagabend beruhigte sich die Lage. Etwa 900 koreanische Demonstranten wurden von der Polizei in einem Teil der Hongkonger Gloucester Road eingekesselt. Der Großteil von ihnen kam der Aufforderung, das Gelände zu verlassen, nicht nach und ließ sich später widerstandslos von der Polizei festnehmen.

Das Resumee der Behörden: 97 Personen wurden bei den Krawallen verletzt, davon 39 Polizisten. Rund 900 Personen wurden verhaftet, der Großteil sind koreanische Staatsbürger, der Rest kommt aus Taiwan, Indonesien und Hongkong.

Für Hongkong waren die Ausschreitungen die schlimmsten seit Jahrzehnten - wenngleich das Ausmaß der Gewalt geringer war als bei den Protesten gegen die WTO-Gipfel in Seattle oder Cancun. In Hongkong sind gewalttätige Demonstrationen absolut unüblich. Wenn die örtliche Bevölkerung protestiert, tut sie das mit asiatischer Gelassenheit. Eine Woche vor dem WTO-Gipfel hatten 150.000 Menschen friedlich für mehr Demokratie und gegen die chinesische Regierung demonstriert.