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Demut im Triumph will gelernt sein

Von Christian Mayr

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Wie war das noch gleich mit der Joachim Löw’schen Demut nach dem 7:1 Triumph über Brasilien? Nur nicht überheblich werden, nur nicht abheben, verordnete der deutsche Teamchef vor dem WM-Finale. Doch kaum ist der WM-Triumph da und die Copa überreicht, lassen manche Akteure im Siegesrausch die Demut gegenüber den Unterlegenen stark vermissen. So passierte es beim großen Partyreigen in Berlin, dass die nur knapp geschlagenen Argentinier von Mario Götze, Toni Kroos und Co verhöhnt wurden. "So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so", sangen sie und staksten tief gebückt über die Showbühne - um sich dann triumphal aufzurichten: "So gehen die Deutschen, die Deutschen, die gehen so." Diese Szene hat zurecht in Deutschlands Medien für massive Kritik gesorgt - auch wenn man gar nicht naheliegende Rassismen mit diesem Affengang ziehen muss. Selbst wenn andere Nationen in dieser Hinsicht nicht besser sein mögen, so etwas ist entbehrlich. Erst recht, weil die Deutschen ihren Fan-Bonus auf der ganzen Welt wieder zu verspielen drohen, den sie sich durch schönes Spiel und als tragische Verlierer mühsamst erworben hatten. Nun aber taucht wieder das einstige Bild des hässlichen (Fußball-)Deutschen auf: schlecht gespielt, glücklich gewonnen, unsympathisch im Feiern. Vielleicht müssen unsere Nachbarn aber auch erst das Feiern neu erlernen. Entbehrlich war noch ein weiteres Detail des Triumphzugs: Der zuvor als heilig verehrte vierte WM-Stern wurde am Party-Lkw umgehend vom Autoriesen mit dem Stern "gekauft" und durch dessen Logo ersetzt. 25,6Millionen für den Titel waren dem DFB wohl nicht genug.