Zum Hauptinhalt springen

Der 43. US-Präsident hat nur 41 Vorgänger

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Washington - In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wird feststehen, wer als 43. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika am 20. Jänner 2001 die Nachfolge von Bill Clinton antritt. Doch egal ob der neue Chef im Weißen Haus George Bush oder Al Gore heißen wird, er wird bei der Auflistung seiner Vorgänger bloß auf 41 Namen kommen. Der 22. und der 24. Präsident waren nämlich ein- und dieselbe Person: Der Demokrat Crover Cleveland, der von 1885 bis 1889 und dann wieder von 1893 bis 1897 Chef im Weißen Haus war, ist der einzige US-Präsident, der nach einer Abwahl ein zweites Mal zum Zug kam.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 23 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Eigentlich hatte Cleveland - siehe obenstehender Artikel - auch die Wahlen 1888 gewonnen, war wegen des Wahlmännersystems aber seinem republikanischen Herausforderer unterlegen.

Eine Wiederkandidatur hatten mehrere abgewählte Präsidenten versucht, als erster der achte Präsident, der Demokrat Martin van Buren (1837-1841), der nach seiner Niederlage im Jahr 1840 bei den Wahlen 1848 für eine Partei namens "Free Soil" antrat, und 10,1 Prozent der Stimmen erreichte. Auch der republikanische 26. Präsident Theodore Roosevelt (1901-1909) versuchte es 1912 als Kandidat der Progressiven Partei noch einmal, schlug den amtierenden republikanischen Präsidenten William H. Taft klar, wurde aber nur Zweiter hinter dem Demokraten Woodrow Wilson.

Bis zu Theodore Roosevelts Kandidatur für eine dritte Amtszeit - er war nach dem Mord an Präsident William McKinley am 14. September 1901 als Vizepräsident an die Staatsspitze gekommen - hatte es als ungeschriebenes Gesetz gegolten, dass kein Präsident mehr als zwei Amtszeiten absolviert. Der erste Präsident George Washington (1789-1797) hatte eine dritte Amtszeit abgelehnt.

Erst Theodore Roosevelts Neffe Franklin D. Roosevelt, der 1932 die Wahlen für die Demokraten gewonnen hatte, durchbrach diese ungeschriebene Regel. Er wurde gleich dreimal wiedergewählt - 1936, 1940 und 1944. Franklin D. Roosevelt hat mit mehr als 12 Jahren eindeutig die längste Amtszeit als US-Präsident. In der Nachkriegszeit wurde die Amtsperiode des US-Präsidenten dann auf eine einmalige Wiederwahl eingeschränkt.

Neben den beiden Roosevelts gab es übrigens noch vier Präsidenten, die miteinander verwandt waren. Der zweite Präsident, John Adams (1797-1801) war der Vater des sechsten Präsidenten, John Quincy Adams (1825-1829). Der neunte US-Präsident William Harrison, der nach nur einmonatiger Amtszeit am 4. April 1841 an einer Lungenentzündung gestorben war, die er sich bei seiner Inaugurationsansprache geholt hatte, war der Großvater des 23. Präsidenten, Benjamin Harrison, dem die Wahlarithmetik ins Weiße Haus verholfen hatte.

Sollte George Bush die Wahlen gewinnen, so könnte er gleich auf zwei Präsidenten in seiner Ahnenreihe verweisen. Neben seinem Vater George (1989-1993) ist er über seine Mutter Barbara, geborene Pierce, auch mit dem 14. Präsidenten, dem Demokraten Franklin Pierce (1853-1857) verwandt, der allerdings zu den schwächsten Präsidenten der US- Geschichte zählt.

Die kürzeste Amtszeit nach dem schon erwähnten William Harrison hatte der 20. Präsident, James A. Garfield, der nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt am 19. September 1881 ermordet wurde. Auf rund 16 Monate Amtszeit brachte es Zachary Taylor (1849-1850). Der 29. Präsident, Warren G. Harding (1921-1923) brachte es auf rund zweieinhalb Jahre) und auch der am 21. November 1963 ermordete John F. Kennedy herrschte nicht einmal drei Jahre im Weißen Haus.

Ein besonderer Trauertag in der amerikanischen Präsidentengeschichte ist der 50. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung, der 4. Juli 1826. Innerhalb von wenigen Stunden verstarben an diesem Tag der zweite und der dritte Präsident, John Adams und Thomas Jefferson, zwei der Gründerväter der Vereinigten Staaten.

Acht der bisherigen US-Präsidenten starben während ihrer Amtszeit, vier davon - Abraham Lincoln (16. Präsident von 1861 bis 1865), James A. Garfield (18. Präsident 1881), William McKinley (25. Präsident, 1897-1901) und Kennedy (35. Präsident, 1961-1963) - wurden ermordet.

Der neunte Präsident, der seine Amtszeit nicht ausdiente, war Richard M. Nixon (37. Präsident, 1969-1974) der wegen des Watergate-Skandals von seinem Amt zurücktrat, bevor ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eingeleitet wurde.

Amtsenthebungsverfahren wurden in der Geschichte des US-Präsidentenamtes gegen zwei Präsidenten - Andrew Johnson (17. Präsident, 1965-1869) und Bill Clinton (42. Präsident, seit 1993) - eingeleitet, scheiterten jedoch.

Zwei der bisherigen US-Präsidenten wurden mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet - Theodore Roosevelt im Jahr 1906 und Woodrow Wilson im Jahr 1919.

Seine Amtszeit am längsten überlebt hat der republikanische 31. Präsident Herbert Hoover (1929-1933). Er starb erst 1964, fast 90-jährig. Älter als er, fast 91, wurde nur der zweite Präsident, John Adams, der seine Amtszeit um 25 Jahre überlebte. Der drittälteste ist der am 6. Februar 1911 geborene 40. Präsident Ronald Reagan (1981-1989), gefolgt von Harry S. Truman (33. Präsident, 1945-1953), der 1972 im Alter von 88 Jahren starb.

Beim Amtsantritt der älteste Präsident war Ronald Reagan, der kurz nach seinem Einzug ins Weiße Haus den 70. Geburtstag feierte. Der jüngste Präsident war Theodore Roosevelt mit 42, gefolgt von John F. Kennedy, der mit 43 Chef im Weißen Haus wurde und von Bill Clinton, der 46 war, als er seine erste Amtsperiode als Präsident begann.

Zwei Amtsperioden dienten in der nunmehr 211-jährigen Geschichte des amerikanischen Präsidentenamtes nur 14 Amtsinhaber, der erste Präsident George Washington, der dritte Präsident Thomas Jefferson (1801-1809), seine beiden direkten Nachfolger James Madison (1809-1817) und James Monroe (1817-1825), der siebente Präsident Andrew Jackson (1829-1837), der 18 Präsident, Ulysses S. Grant, Grover Cleveland, der nach der Abwahl wiedergewählte Präsident, Theodore Roosevelt (1901-1909), der 28. Präsident Woodrow Wilson (1913-1921), Rekordhalter Franklin D. Roosevelt (1933-1945), dessen Nachfolger Harry S. Truman und Dwight D. Eisenhower (34. Präsident, 1953-1961), der 40. Präsident, Ronald Reagan und schließlich der derzeitige Amtsinhaber Bill Clinton.