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Der alte und der neue Chef im Pentagon

Von David Ignatius

Gastkommentare

Leon Panetta folgte auf Bob Gates als US-Verteidigungsminister. Aber auch das neue Team für nationale Sicherheit trägt noch die Handschrift von Gates.


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Bob Gates hat das US-Verteidigungsministerium Anfang Juli verlassen, aber das neue Team für nationale Sicherheit ist größtenteils seine Kreation und spiegelt den außergewöhnlichen Einfluss eines republikanischen Verteidigungsministers auf Personal und Politik der Regierung von US-Präsident Barack Obama wider. Für die meisten Top-Positionen im Pentagon wurden Gates’ Empfehlungen berücksichtigt. Und ebenso bedeutend: Die Kandidaten, die Gates nicht haben wollte, blieben auf der Strecke, auch wenn sie ursprünglich die Unterstützung des Weißen Hauses hatten.

Der neue Verteidigungsminister, Leon Panetta, wird ein solidarisches und kongeniales Team anführen - zwei Eigenschaften, die Gates hoch schätzt. Die Frage ist nur, ob es auch die Härte haben wird, zur Pentagon-Bürokratie nein zu sagen, wo diese zum politischen Kuhhandel ausartet.

Gates beschloss letztes Jahr, dass Panetta der richtige Nachfolger sein würde. Als CIA-Chef hatte Panetta schon seit 2009 an allen wesentlichen Entscheidungen teil. Außerdem war Gates beeindruckt, wie sehr Panetta, den er als Gleichgesinnten sieht, darum kämpfte, CIA-Mitarbeiter zu schützen. Ein weiteres großes Plus war Panettas Fachkenntnis in Budgetfragen (als früherer Chef des Office of Management and Budget).

Gates kam 2006 ins Pentagon, um das Irak-Debakel in Ordnung zu bringen. Panettas Top-Priority wird es sein, das Militärbudget in Ordnung zu bringen - und zwar so, dass verringerte Ausgaben nicht die Sicherheit der USA verringern. Das ist viel verlangt, Panettas Fähigkeit, sich abzugrenzen, wird auf dem Prüfstand stehen. Gates ist es gelungen, zwischen der Unterstützung der Truppen und der Eigenverantwortung hochrangiger Offiziere die Balance zu finden - eine Herausforderung für Panetta.

Gates konnte kurz angebunden und schroff sein, Panetta ist locker und redet gern. Und er liebt Briefings. Täglich gibt es ein Morgentreffen und dreimal pro Woche ein Treffen, um heikle Unternehmen zu besprechen. Beides sind Abweichungen von Gates’ Kurs, der schriftliche Berichte vorzog.

Klar zeigt sich Gates’ Einfluss bei der Wahl von General Martin Dempsey, der Admiral Mike Mullen als Generalstabschef ablöst. Monatelang sah es so aus, als ob General James Cartwright den Job bekommen sollte. Obama und sein Team waren fasziniert von Cartwrights Erläuterungen, wenn es um komplizierte Verteidigungstechnologie ging.

Cartwright soll sein Ruf als einsamer Wolf, der nicht immer gut mit Kollegen zusammenarbeitet, zum Verhängnis geworden sein. Den Ausschlag gab, dass Gates zu dem Schluss kam, dass Cartwrights Kritiker recht haben. Gerüchte, Cartwright wäre Opfer einer Flüsterkampagne geworden, sind falsch: Gates überzeugte das Weiße Haus einfach davon, dass Dempsey der bessere Kandidat sei.

Cartwrights Weggang wird ein großes Loch hinterlassen. Sein Nachfolger als Vize-Genralstabschef, Admiral James Winnefeld, ist sehr beliebt, aber ihm fehlt Cartwrights technologische Meisterschaft - etwas, was man vermissen wird, wenn sich das Pentagon mit Sparbudget Cyberwar- und anderen Technologien gegenübersieht.

Gates war einer der erfolgreichsten Verteidigungsminister der neueren Zeit. Er versuchte, ein Pentagon seiner Prägung zu übergeben, aber der Faktor X ist der gerissene, reizbare, äußerst erfahrene Gates selbst - und davon gibt es nur einen.

Übersetzung: Redaktion