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Der Amokläufer schweigt eisern

Von Gerald Jatzek / WZ Online

Europaarchiv

Die Kinderkrippe heißt Märchenland, aber die Szenen, die sich gestern dort abgespielt haben, stammen aus den dunkelsten Horrorvorstellungen. Ein etwa 20-jähriger Täter drang vormittags in das Gebäude in Sint Gillis Bij Dendermonde ein und ermordete zwei Kleinkinder und eine Betreuerin mit Messerstichen. Die Öffentlichkeit rätselt ebenso wie Experten über die Motive des Amokläufers.


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Zehn weitere Personen wurden von dem Dreifachmörder verletzt. Vier davon so schwer, dass die Behörden noch in der Nacht auf Samstag fürchteten, die Zahl der Opfer könnte steigen. Mehrere Ärzteteams, denen auch plastische Chirurgen angehörten, arbeiteten an der Rettung der Säuglinge und Kleinkinder.

Kleinstadt

Die Kleinstadt Dendermonde, rund 30 Kilometer nordwestlich von Brüssel, ist im Schock. "Warum?" ist das Wort, das man zur Zeit am öftesten von den rund 40.000 Einwohnern hört. Eine Antwort darauf gibt es bislang nicht.

Ursprüngliche Meldungen, dass der Täter aus einer nahegelegenen psychiatrischen Klinik stamme, wurden dementiert. Aus Polizeikreisen verlautete, dass er sich weigere, eine Aussage zu tätigen. In einem Kommuniqué heißt es, dass der Mann weder betrunken noch oder unter dem Einfluss anderer Drogen gestanden sei.

Die unfassbare Tat

Berichten zufolge hat der weiß geschminkte Täter die Kindertagesstätte betreten und sich wortlos mit einem Messer auf einen Säugling gestürzt. Eine 54-jährige Betreuerin, die sich dazwischen warf, ermordete er mit mehreren Stichen.

Anschließend stach er auf andere Kinder ein, immer und immer wieder, wie Zeugen berichten, und flüchtete mit einem Fahrrad. Die Polizei konnte ihn nach Hinweisen und einer Verfolgungsjagd mit dem Hubschrauber schließlich verhaften. Laut Aussagen der Rettung erlitten alle Kinder der Krippe Stichwunden am gesamten Körper.

Rätsel

Das Verbrechen von Dendermonde gibt auch Experten Rätsel auf. Experten bezeichnen die Tat als untypisch. Kleinkinder sind zumeist nur dann das Opfer, wenn sie der Familie des Täters angehören. Grundsätzlich dürfte der Täternach den bisher vorliegenden Fakten der dem machtorientierten Typus des Massenmörders zuzurechnen sein, der sich grundsätzlich körperlich stark unterlegene Opfer sucht. Dafür spricht auch der Angriff mit dem Messer, da dieser Tätertyp dazu neigt, die Leichen seiner Opfer zu amputieren.