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Der Angriff der Killerschnecken

Von Gerald Jatzek / WZ Online

Europaarchiv
So sieht der Feind der Dänen aus.
© ElsBrinkerink - Wikimedia Commons

Der Feind ist rot, schleimig und wird bis zu vierzehn Zentimeter groß. Er frisst so ziemlich alles, was ihm vor die Raspelzunge kommt, solange es sich nicht bewegt. Er hört auf den Namen Spanische Wegschnecke, wissenschaftlich Arion lusitanicus. In Dänemark ist die Schneckenplage bereits so groß, dass die Regierung harte Maßnahmen gegen die Weichtiere erwägt. Im Gespräch ist eine gesetzliche Pflicht zum Kampf gegen Schnecken.


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Die Wegschnecke stammt ursprünglich aus Spanien und Portugal, fühlt sich aber weiter nördlich durchaus wohl. Zugute kommt ihr, dass die Fressfeinde sie wegen ihrer Bitterkeit, Zähigkeit und der großen Schleimproduktion nur selten auf die Speisekarte setzen. In nördlichen Gegenden vermehrt sie sich zudem effektiver als in ihrer Heimat, wo viele Schneckeneier austrocknen.

In Dänemark hat das heuer zu einer landesweiten Plage geführt, die nun auch politische Konsequenzen hat. So schlug die konservative Partei vor, Arbeitslose zur Massentötung der Eindringlinge einzusetzen. Biologen meinen jedoch, dass es derzeit kein Mittel für eine spürbare Verminderung der Schnecken gibt.

Da das Volk murrt, wird die Politik dennoch aktiv. Die konservative Umweltministerin Connie Hedegaard arbeitet an einer "nationalen Strategie", wie sie der Zeitung Berlingske Tidende erklärte. Sie könne sich durchaus eine gesetzliche Regelung vorstellen, die jeden wackeren Dänen zum furchtlosen Kampf gegen die Weichtiere verpflichtet.

Die Ministerin kann dabei durchaus mit dem Beifall der Sozialisten rechnen. Deren Vorsitzender Villy Søvndahl will paramilitärische Gruppen gegen die Mörderschnecken einsetzen. Die Zeitung Politiken titelt "Tötet die Schnecke!", und Dänemark schickt sich an, einen Katastrophenfilmen aus Hollywood eins zu eins nachzuspielen, Panikmache und Militarisierung des Alltags inklusive.

Siehe auchWas tun gegen Schnecken?