Zum Hauptinhalt springen

Der Aufstand der Mönche im Internet-Zeitalter

Von Thomas Müller

Politik

Trotz scharfer Überwachung dringen Nachrichten aus dem Land. | Rangun/Oslo. (dpa) Verwackelte Bilder demonstrierender Mönche, körnige Videoaufnahmen aufmarschierender Sicherheitskräfte und kleine oppositionelle Radiosender, die sich plötzlich großer Zuhörerschaft erfreuen: Obwohl das Militärregime in Burma das Land abgeriegelt hat, finden die friedlichen Demonstrationen zehntausender Mönche im Gegensatz zu früheren Protesten diesmal vor den Augen der Weltöffentlichkeit statt.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 16 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

In westlichen Fernsehsendern laufen immer wieder Videos, die Burmesen heimlich mit Digitalkameras oder Mobiltelefonen aufgenommen haben. Blogger tragen ebenfalls zur Verbreitung der Nachrichten bei. Der aus Burma stammende und in London lebende Ko Htike verwandelte seine literarische Internetseite kurzerhand in einen Nachrichtenkanal.

Aus Norwegen sendet der kleine Sender "Democratic Voice of Burma" Informationen für die Bevölkerung über Kurzwelle und Satellit. Aber auch für westliche Journalisten erweist sich der kurz nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi 1991 mit norwegischem Geld gegründete Sender als wichtige Informationsquelle. Der Sender hat etwa 30 Journalisten in Burma, die für ihn berichten oder ebenfalls Bilder und Videos über das Internet schicken.

Da ausländische Korrespondenten kaum ins Land kommen, sind westliche Medien auf die Berichterstattung inländischer Journalisten und privater Augenzeugen angewiesen. Doch dies wird nach Angaben von Katrin Evers von "Reporter ohne Grenzen" immer schwieriger. Burmesische Journalisten und Augenzeugen setzten sich großen Gefahren aus. Schon lange überwacht das Regime die wenigen Internetcafés streng. Inzwischen hat die Junta die Sperren und Überwachungen noch verschärft und auch Mobilfunkfrequenzen blockiert.

Journalisten und Augenzeugen müssten deshalb immer neue Tricks anwenden, um die Überwachungsmaßnahmen des Regimes zu überwinden. Doch auch wenn die Bedingungen schwieriger werden, so scheint es den Junta-Generälen nicht zu gelingen, die Flut der wackligen Bilder zu stoppen. Sie haben die Macht des Internets einfach unterschätzt.