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Der Beginn eines zweiten Lebens

Von Simon Rosner

Asyl
Adalat Khan erhielt einen positiven Asylbescheid.
© Stanislav Jenis

Adalat Khan, einer der Sprecher der Flüchtlings-Protestgruppe, hat einen positiven Asylbescheid erhalten.


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Wien. "Ich will jetzt einmal schlafen und entspannen", sagt Adalat Khan. Schon an der Einfachheit dieser Sehnsucht lässt sich die Tragweite jenes Briefes ermessen, den der 48-jährige Paschtune aus Pakistan diese Woche erhalten hat. Als einer von nur wenigen Asylwerbern aus Pakistan wurde sein Asylansuchen positiv beschieden, er ist offiziell Flüchtling nach der Genfer Konvention.

Schon im Vorjahr hatte Khan, der einer der Sprecher jener Gruppe von Flüchtlingen war, die zuerst vor, dann in der Votivkirche protestiert hatten, subsidiären Schutz erhalten. Für Khan war das damals "wie der Beginn eines zweiten Lebens", wie er heute erzählt, "es war unglaublich". Zehn Jahre Flucht quer durch die Welt, zehn Jahre Angst, wieder zurück zu müssen, ins hochgefährliche Swat-Tal, hatten ein vorläufiges Ende. Aber eben nur ein vorläufiges, da dieser subsidiäre Schutz jedes Jahr verlängert werden muss und Khan nie sicher sein konnte, dass dies auch passiert. Als anerkannter Flüchtling darf er permanent bleiben.

Und noch etwas ist mit diesem Bescheid offiziell geklärt worden. Denn mehrfach hatte die FPÖ die Demonstranten in Aussendungen als "Scheinasylanten" und "Asylbetrüger" bezeichnet, sie lag mit dieser Verunglimpfung also nicht nur stilistisch, sondern auch faktisch daneben. "Wir haben auch immer darauf hingewiesen, dass es den Begriff Asylbetrug rechtlich nicht gibt", sagt Caritas-Geschäftsführer Klaus Schwertner, der damals viele Stunden in der Votivkirche verbracht hat. "Es hat damals viele Gespräche gegeben, die Menschen haben sehr dramatische Dinge erlebt." Er selbst weiß von fünf weiteren Flüchtlingen aus jener Gruppe, die einen positiven Asylbescheid erhalten haben. "Die Flüchtlinge aus Pakistan haben sich große Sorgen gemacht, dass man die Gefahrenlage in ihrer Heimat richtig einschätzt. Ich bin sehr froh, dass Adalat Khan nun in Sicherheit ist und arbeiten kann."

Schon seit einigen Monaten hilft der 48-Jährige in der Betreuung behinderter Kinder, wie er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erzählt. "Ich will nichts nehmen, sondern etwas geben, das ist auch ein Signal", sagt er.

Khan will sich auch weiterhin engagieren, denn die Welt hat sich nicht verändert. Millionen Menschen sind auf der Flucht, und wie mit ihnen umgegangen wird, sei ein "globales Problem", kein österreichisches, wie er sagt. "Aber Traiskirchen zu schließen, löst das Problem nicht."

Nach zehn Jahren Flucht und Ungewissheit hat für Khan diese Woche sein "zweites, normales Leben" begonnen. Er will arbeiten, verdienen, Steuern zahlen. Zuerst aber: endlich in Frieden und Sicherheit schlafen.