Zum Hauptinhalt springen

Der ewige Motor der Wünsche

Von Judith Belfkih

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 9 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wieder mehr Sport betreiben.

Endlich wirklich abnehmen.

Sich gesünder ernähren.

Mit dem Rauchen aufhören.

Mehr Zeit mit der Familie.

Sparsamer leben.

Ein Theaterabo zulegen.

Hobbies nicht verkommen lassen.

Mehr im Hier und Jetzt sein.

Weniger Zeit vor dem Fernseher oder anderen digitalen Geräten.

Nein Sagen lernen.

Auch einmal Ja Sagen lernen.

Die Liste der Neujahrsvorsätze ist eine recht konstante Angelegenheit. Weder verändert sie sich im Laufe der Jahre bei ein und der selben Person gewaltig, noch variiert sie enorm von Person zu Person - zumindest innerhalb eines Kulturkreises oder einer sozialen Schicht. Denn eben jene Vorsätze, die viele zum Jahreswechsel fassen, sind so etwas wie die kollektive Sündenliste einer Gesellschaft, die sich jedes einzelne Mitglied in Selbstanzeige um den Hals hängt. Quasi als persönliches Mahnmal für gesellschaftliche Missstände. Die Gesellschaft profitiert von diesen Mängeln mehr als von den kollektiven Lösungen der entsprechenden Problemen - mehr Zeit für die Familie, gesündere Ernährung und mehr Sport sind Themen, die mit dem nötigen politischen Willen ohne weiteres für alle zu regeln oder zumindest zu ermöglichen wären.

Aber: Zufriedenheit ist unproduktiv, wer Ziele hat, erreicht etwas. Ohne Ziele, kein Vorankommen. Je unrealistischer die Ziele, desto stabiler und kontinuierlicher der Antriebsmotor. Also bleibt alles, wie es ist. Schon die Großmutter betete: "Und bewahre uns vor der Erfüllung unserer Wünsche."