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Der Faktor macht’s aus

Von Christoph Rella

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Verglichen mit Europas Top-Skigebieten ist das US-Resort Vail/Beaver Creek nicht nur kleiner, sondern ziemlich überteuert.


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Vail - Like nothing on earth. Mit diesem PR-Spruch werden Besucher der Website vail.com freundlich begrüßt. Klickt man dann auf den dicken Button links unten mit der Aufschrift "Lift Tickets - Buy now", wird einem sofort klar, wie diese Begrüßung gemeint ist. Denn wenn etwas in Vail "wie nichts sonst auf der Erde" ist, dann sind das die Liftkartenpreise. 145 US-Dollar, also umgerechnet 128 Euro, kostet aktuell ein Tagesskipass für einige Stunden Carvingspaß in den Rocky Mountains, 32 Lifte und 2141 Hektar Pisten inklusive. Klingt nicht übel für Amerikas größtes Skigebiet? Mag sein, aber Vorsicht: Wie groß ist das berühmte US-Resort gemessen an Pistenkilometern? Antwort: 215. 215? Jedes größere Skigebiet in Europa - St. Anton, Lech, Zermatt, Val d’Isére, Sestriere - hat mehr. Und keines davon einen so hohen Anteil an (familienunfreundlichen) schwarzen Buckelpisten wie Vail - nämlich mehr als 50 Prozent - und kostet gleichzeitig so viel. Vielleicht die Hälfte, wenn überhaupt. Kein wirkliches Schnäppchen, dieses Beaver Creek?

Nun könnte man einwenden: Vail mit St. Anton vergleichen? Das geht doch nicht. Stimmt, schließlich verfügt ja der Tiroler Skiort über vier Mal so viele Liftanlagen wie das WM-Städtchen in Colorado (und kostet dafür pro Tag weniger als die Hälfte). Das bringt nichts. Was aber Sinn ergibt, ist, wenn man die Skipasskosten direkt in Relation zu den angebotenen Pistenkilometern setzt. Weil dann sieht die Welt gleich ganz anders aus. Bei 128 Euro für - wenn wir großzügig sind und den Amerikanern den Schummelversuch mit den schwarzen Pisten nicht nachtragen - 215 Kilometer ergibt das für Vail einen Faktor von 0,59 Euro pro Pistenkilometer und Tag. Bei 32 betriebenen Liftanlagen nicht zu vergessen.

Vergleicht man diese Ergebnisse nun mit den Preisen für Skipässe
in vergleichbaren Resorts in Europa und Kanada, so bedeutet das schon eine Menge. Sölden beispielsweise (32 Lifte, 142 Kilometer, 48 Euro) kommt nach dieser Rechnung auf einen Faktor von 0,34 Euro, der Schweizer Skiort Flims (34 Lifte, 220 Kilometer, 70,60 Euro) auf 0,32 und Whistler in Kanada (38 Lifte, 231 Kilometer, 73,50 Euro) auf immerhin sogar 0,31. In den USA werden diese Werte augenblicklich nur von einem einzigen Skigebiet merklich unterschritten - Heavenly (30 Lifte, 193 Kilometer, 53,90 Euro) im US-Bundesstaat Kalifornien. Das Resort unweit des Lake Tahoe weist aktuell einen Faktor von 0,27 aus.

Aber, es geht noch besser. Denn lässt man die Anzahl der Lifte als Vergleichskriterium weg, so bergen die Zahlen wahre Überraschungen - und zwar dort, wo man es vielleicht am wenigsten erwartet hätte. Oder wussten Sie, dass die beiden größten Einzelskigebiete Österreichs (mit den meisten Liften und Pistenkilometern) - St. Anton und Lech - zu den Resorts mit dem niedrigsten Faktor, nämlich 0,14 Euro, zählen und damit gemessen daran, was dem Skiurlauber geboten wird, eigentlich günstig sind? Es stimmt schon: 49,50 Euro für einen Tag Skifahren sind schon geschmalzen. Nachdem es aber woanders auch nicht billiger ist, müsste man so gesehen, anstatt jede Preiserhöhung zu beklagen, eigentlich froh sein. In Österreich ist Skifahren zwar teuer, aber man kriegt was dafür. Von den USA kann man das nicht behaupten.