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Der fettige Döner namens Formel 1

Von Christoph Rella

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In einer TV-Abenddoku wurde unlängst die nicht uninteressante Feststellung getroffen, dass der höchste Stresslevel bei nur drei Berufen gleichermaßen erreicht werde: Herzchirurg, Opernsänger und Formel-1-Fahrer. Das mag auf den ersten Blick verwundern, ist aber gar nicht so abwegig, wenn man sich vor Augen hält, dass es hier nicht die Tätigkeit selbst ist, die den Stress erzeugt, sondern der ungeheure Erwartungsdruck und die allgegenwärtige Angst davor, im OP, auf der Bühne oder auf der Rennstrecke zu scheitern.

Und dennoch ist dieser Vergleich nicht stimmig. Zwar ist es richtig, dass ein Fehler eines Chirurgen über Leben oder Tod entscheiden und ein gesanglicher Schnitzer eines Tenors bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele einen Kulturgenuss und einen ganzen Ruf vernichten kann. Nur ist das im Vergleich dazu, was ein Pilot in der Königsklasse so aushalten muss, wenig. Erstens riskiert ein Pilot, wenn er mit 300 Sachen auf die nächste Schikane zurast, nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das der Konkurrenz. Und zweitens kann auch hier im Fall eines Crashs ein Rennen versaut, das eigene Prestige geschädigt sowie eine Strafe fällig werden.

Hinzu kommt aber noch etwas Drittes: Ein Formel-1-Fahrer kann nicht abends das Licht abdrehen und zu seinen Lieben nach Hause fahren. Er ist immer auf Achse, permanent von Leuten umgeben und gleichzeitig einsam wie ein Wolf. Die Hotelzimmer und Partys sind dann oft nicht zu ertragen, aber darüber reden geht in dem Macho-Milieu auch nicht wirklich. Der Ex-Williams-Sprecher Aaron Rooke beschrieb den mentalen Zustand vieler Formel-1-Stars einmal treffend mit den Worten: "Die Formel 1 ist ein Business, das mit ein wenig Sport garniert wird, wie ein Salat, der sich an einen fettigen Döner klammert." Glücklich, wer so nicht zum Fall für den Herzchirurgen wird.