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Der freie Hochschulzugang

Von Lothar Höbelt

Gastkommentare

Bildung, so heißt es in einschlägigen Uni-Debatten gern, dürfe nicht am schnöden Mammon scheitern. Nun ist die verblüffende Logik, derzufolge etwas nichts kosten darf, gerade weil es so wertvoll ist, vielleicht auch einer näheren Untersuchung wert.


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Einmal ganz abgesehen davon, dass auch das gebührenfreie Studium sehr wohl kostet - wenn schon nicht die Studenten, dann eben den Steuerzahler. In dem Zusammenhang ist es eine politische Pikanterie, warum gerade die SPÖ darauf beharrt, dass ihre Arbeiter- und Pensionistenklientel aus den Massensteuern das Studium der schwarz-grünen Jeunesse Doree bezahlen soll.

Zudem ist die Debatte irreführend, weil es den freien Hochschulzugang auch in den letzten Jahren immer gegeben hat. Sie werden beim Eintritt in die Alma Mater nur dann kontrolliert, wenn sich die Universität - wie etwa vorigen Dezember - von der Hinterlassenschaft der Hausbesetzer zu befreien sucht, die sie so lange hofiert hat. Ansonsten steht dem Bildungskonsum nichts im Wege. Jeder kann ungehindert Vorlesungen besuchen: Niemand wird ihn nach Studienausweis und Inskriptionsbestätigung fragen.

Bezahlen muss man nur für das Privileg, geprüft zu werden - sprich: für den Erwerb akademischer Grade, die wiederum Verdienstchancen eröffnen. Das ist im Sinne einer Investition, die auch ihre Rendite bringt, nur recht und billig.

Man wird einwenden, dass diese Rendite inzwischen eine äußerst zweifelhafte geworden ist. Richtig: 70 Prozent der Absolventen der heimischen Universitäten drängen in den öffentlichen Dienst - und der hat aus guten Gründen Aufnahmesperre. Wäre es da nicht vielleicht eine gute Idee, die Absolventenproduktion ein wenig nach der Nachfrage zu richten?

Österreich braucht nicht flächendeckend mehr Akademiker. Es braucht Techniker, demnächst vielleicht auch wieder mehr Ärzte. Arbeitslose Politologen (oder durchaus auch Historiker), die schon ihr Studium ohne besonderes Interesse oder Berufsaussichten begonnen haben, verschaffen uns keinen Wettbewerbsvorsprung.

Zugangsbeschränkungen wären in diesem Fall keineswegs fehl am Platz. Die Prager Universität verlangt von ihren Geschichtsstudenten zum Beispiel von allem Anfang an Deutschkenntnisse und eine kommissionelle Prüfung. Derlei Eingangsprüfungen sind freilich mühsam - nicht für die Studenten, sondern für die Prüfer, die einen Monat lang nichts anderes tun.

Verständlich, dass dieses Modell hierzulande keinen besonderen Anklang findet. So bleibt als Ausweg immer noch die Regelung über den Markt, über Studiengebühren. Apropos Geld: Der Universität fehlen Millionen - doch zugleich werden Millionen in sinnlose Umbauten verpulvert. Wenn der Gesetzgeber ein paar der dämlichen Bestimmungen aufgehoben hätte, die dahinterstecken, hätte man einen beträchtlichen Teil des Fehlbetrags hereinbekommen. Doch mit der Bau-Lobby ringen eben Götter selbst vergebens.

Lothar Höbelt ist Historiker an der Universität Wien.