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Der fünfte Meinl machte Namen kaputt

Von WZ Online

Wirtschaft

Einst hatte Meinl einen guten Ruf. Unter Unternehmern galt die Firma als solide. Bei besseren Damen freute man sich über die Auswahl in den Geschäften und die Ansprache als "gnä' Frau". Doch das einst renommierte Imperium ist nach fast 150 Jahren Geschichte. Der gute Name gilt als ruiniert.


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Julius Meinl V. muss sich den Vorwürfen des Anlagebetrugs und der Untreue stellen. Aufsichtsbehörden und Justiz hatten den betuchten Investmentbanker wegen eines Finanzskandals um verheimlichte Aktienrückkäufe bei der einstigen Meinl European Land (MEL) Jersey lange im Visier.

Zigtausende Anleger haben mit den von ihm entworfenen Jersey-Meinl-Börsefirmen Milliarden verloren, über zwei der drei Ex-Meinl-Fonds auf Jersey - die von "Rebellen" übernommene "Airports" und "Power" - ist vorige Woche der Auflösungsbeschluss gefallen. Clanchef Julius V. bestritt lange, mit den Firmen verflochten zu sein. Ob die Ermittler bei ihren Hausdurchsuchungen Organigramme über das weitverzweigte Netz an Stiftungen und Briefkästen und neue Beweise über die Art der Verflechtungen fanden, wird ein erwarteter Prozess zeigen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Seit vor knapp zwei Jahren die umstrittenen Aktienrückkäufe offenkundig wurden, kam Meinl nicht mehr aus den negativen Schlagzeilen. Als er um Weihnachten 2007 nach 24 Jahren an der Spitze der Meinl Bank zurück trat und sich kurzerhand an die Aufsichtsratsspitze wählen ließ, hatte das "nichts mit Notenbank-Untersuchungen zu tun", wie er damals die Medien wissen ließ. Meinl war trotz seiner damals erst 48 Jahre der dienstälteste Vorstandschef einer österreichischen Bank.

"Ich habe diesen Wechsel nach genau 25 Jahren im Vorstand der Bank schon länger geplant, um das Unternehmen in der Tradition der Familie Meinl als Vorsitzender des Aufsichtsrates zu führen", erklärte Meinl damals. Ein Versuch, als "Präsident" in die Fußstapfen seiner nach Generationen "durchnummerierten" Vorfahren zu treten.

Das Imperium wurde über Holdings von Liechtenstein aus gesteuert. Dem Banker Meinl haftete Luxus an, tausende Anleger, die bei Meinl European Land & Co Milliarden verloren haben, sahen in ihm und seinen Getreuen zuletzt aber nur mehr eine ganz gewöhnliche Zockerpartie, die Börse und Behördenvertretern mit den ständigen Hinweisen, für sie gelte österreichisches Recht ganz einfach nicht, auf der Nase herumtanzte.

Julius Meinl V. hat das Familienimperium stärker verändert als fast alle seiner Vorgänger. Kritiker sprechen vom Niedergang des Imperiums. Aus einer vor fast 150 Jahren gegründeten und rund um den Lebensmittelhandel zentrierten Gruppe hat er in etwas mehr als zwei Jahrzehnten einen Finanzdienstleister gemacht. Gute Kontakte zu Hochfinanz und Politik haben da nicht geschadet.

Lebenslauf

Julius Meinl wurde am 9. Juli 1959 in London geboren und trat 1983, mit etwas mehr als 23 Jahren, an die Spitze der Meinl Bank. Das mit einem britischen Pass ausgestattete Mitglied der bekanntesten Handelsdynastie der Habsburgermonarchie fühlte sich im gehobenen Bankgeschäft wohl, nicht im altehrwürdigen Einzelhandel.

Ab Mitte der 1990-Jahre verkaufte er in mehreren Schritten die Handelsfilialen in Österreich, Ungarn und Tschechien. Sie gingen an große Ketten, in Österreich 1998 an Rewe (Billa/Merkur), 2000 wurde schließlich der Rest an Spar verkauft. Zurückbehalten wurde nur die Meinl-Filiale am Graben. Auch auf Kaffee legte man noch Wert. Und auf den Mohren im Logo.

1997 wurde die Immobiliengesellschaft Meinl European Land (MEL) gegründet, in die die verbliebenen osteuropäischen Handelsimmobilien der Familie eingegliedert wurden, die 2002 an die Börse gebracht wurde. Nach massiven Rückkäufen von Zertifikaten/Aktien, mit denen im Sommer 2007 der MEL-Kurs gestützt wurde, und deren Kurse in der Folge crashten, kam auch die Bank und deren Verbindung zur MEL ins Visier von Öffentlichkeit, Aufsichtsbehörden und Staatsanwalt.

Obwohl Meinl und seine Familie nur selten Auftritte in der Society haben, ist dem Banker immer wieder mediale Aufmerksamkeit sicher. Etwa durch seine Freundschaft mit dem früheren Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der bei "Meinl Power" ins Management kam. Oder auch wegen einer Begebenheit aus dem Jahr 2005, die ihn mit Wolfgang Flöttl, der Zentralfigur des BAWAG-Skandals, in Zusammenhang brachte ("Jachtausflug"). (APA)