Zum Hauptinhalt springen

Der globale Passwort-Hort

Von Eva Stanzl

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 9 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Erinnert sich jemand an die Zeichentrickfigur Fred Feuerstein? Fred und Barney telefonieren mit Hilfe von zwei Bechern, verbunden durch eine Schnur. Während Barney hineinspricht, hält Fred seinen Becher am anderen Ende der Leitung ans Ohr, und umgekehrt. Ein bisschen Steinzeit, das Ganze - hat aber funktioniert. Was von Mobiltelefonen und Smartphones nicht gesagt werden kann. Technischer Fortschritt jedes Jahr neu, Fotos in Plakatqualität, Musik wie im Plattenladen - aber telefonieren kann man damit nicht. Immer, wenn zwei Menschen so richtig am Plaudern sind, macht es "krrrrrrks". Oder "zpzpzpzp", als würde ein Männchen im Ohr die Worte zerschnipseln.

Sie hören uns nämlich ab. Sie wollen gar nicht, dass wir miteinander reden. Sondern sie wollen, dass wir uns nur noch - effizienter - SMS schreiben. Defekte Telefone erziehen uns sozusagen zu Kurznachrichten. Was daran liegt, dass Handy- und Computerhersteller uns voneinander isolieren wollen. Am liebsten hätten sie ein Versammlungsverbot, das jeden für sich allein hinter seinen Computer verbannt. Da sitzen wir dann - mundtot und wortlos, während die NSA jedes Wort, das wir ins Keyboard tippen, mitliest, vielleicht sogar antwortet oder Befehle erteilt, die wir gefügig befolgen.

Aber wir können uns wehren! Ein befreundeter Informatiker hat bei der NSA angerufen und gesagt, er habe sein Passwort vergessen, ob sie nachschauen können, und dort die Telefonzentrale gehörig durcheinandergebracht. Und lasst uns doch gleich alle E-Mails und jede SMS einfach cc an die NSA schicken. Dann würden die Server dort krachen gehen! In echt! Nur wer sagt mir dann mein Passwort?