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Der himmlische Brahms

Von Reinhold Aumaier

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19.30 Uhr: Ein guter Zeitpunkt, um das Abendprogramm zu beginnen. So geschehen am Mittwoch. Zuerst lockten die Bayern mit "Bilder einer Landschaft - Bergbauern in Fjord-Norwegen". Natürlich sah man wunderschöne Bilder zu den großteils von (früherem) Elend durchtränkten Geschichten über die Menschen in frei-wilder Natur. Sofort wurden Erinnerungen wach - nämlich an die so große Sehnsucht und Fernweh bewirkt habende Lektüre des Kinderbuches "Peter Manharts Nordlandfahrt".

Leider wurde dieser so sehenswerte Film durch die Sprechweise eines Märchenerzählers gestört, der mit Minetti-Geraune die Tonspur über jede Gebühr in Besitz nahm. Helmut Stange heißt der Mann. Sagt ihm, dass er sich mit Schweigen viel Geld, ja Gold verdienen könnte! Uns blieb nur der Notwehrgriff - jener zum Radio. Also Filmton aus und zur Sinfonie aus Mensch, Tier & Natur, Sinfonisches von Mozart und Schubert. Um 20.15 Uhr dann das Hin und Her zwischen staatsbürgerlicher Pflicht und privat-spielerischer Neigung. 3sat zeigte die Doku "Volksdeutsche in Alt-Österreich" und das ZDF das eine heiße Partie zu werden versprechende Match Kaiserslautern-Bayern München.

Kurzum: Der Spieltrieb des Kindes im Manne gewann. Der viel zu früh verstorbene Istvan Kertesz entlockte den Wiener Philharmonikern mittlerweile die 4. Sinfonie von Brahms par excellence. Und auf dem Spielfeld . . . wogte es ebenso aufregend hin und her. Weil Sport & Musik nun einmal den Abend prägen sollte, gönnten wir uns - zappzarapp - parallel dazu bei arte das berührende Porträt des Pianisten und Klavierpädagogen Leon Fleisher. Auch er spielte - neben Mozart, Bach und Ravel - himmlischen Brahms!