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Der Kampf der "echten Männer"

Von Christoph Rella

Analysen

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"Echte Männer gehen in Karenz." So einfach ist es auch wieder nicht. Was das Frauenministerium in einer an sich gelungenen Kampagne vor zwei Jahren propagiert hat, erweist sich leider bis heute noch für viele Männer als Hürdenlauf. Zumindest für jene, die sich trotz aller Widerstände fürs Zuhausebleiben entschieden haben. Und das sind - von allen Vätern - gerade einmal fünf Prozent.

Die übrigen 95 Prozent wollen sich das erst gar nicht antun. Verständlich. Das Beispiel, wie in den Betrieben mancherorts mit Müttern oder Frauen im gebärfähigen Alter umgegangen wird, schreckt ab. Nur ja nicht schwanger werden! Sonst ist der Job weg - oder er wird erst gar nicht an die Betreffende vergeben. Manche Unternehmen gehen sogar so weit, dass sie Bewerberinnen schriftlich das Versprechen abringen, in einem bestimmten oder auch unbestimmten Zeitraum kein Kind zu bekommen. Eine solche Unterschrift ist allemal einfacher zu bekommen als eine qualifizierte Ersatzkraft, die während der Karenzzeit die Arbeit übernimmt.

Oder man betraut eben gleich einen Mann mit dem Job. Schließlich liegt hier die Chance, dass sich dieser unerwarteterweise in die Väterkarenz verabschiedet, bei eben gerade einmal fünf Prozent. Die Frauenministerin hat ganz richtig erkannt, wie dieser Teufelskreis gebrochen werden könnte: Gesetze zum Schutz von Schwangeren und Müttern reichen nicht. Diesen Kampf müssen schon die Väter selbst führen. Denn je mehr Männer in Karenz gehen, desto schwieriger wird es in Zukunft für Chefs, sich in der Personalfrage die Rosinen herauszupicken. Weil dann das Geschlecht keine Rolle mehr spielen und die Väterkarenz nicht mehr als etwas Fremdes und Neuartiges, sondern als etwas ganz Normales begriffen werden wird.

In den meisten, vor allem größeren Unternehmen ist das freilich bereits längst der Fall. Es gibt aber immer noch einige wenige schwarze Schafe, die jene Fortschritte, die auf diesem Gebiet bisher erreicht worden sind, durch ihr negatives Beispiel zunichte machen. Ihnen gilt es, wenn nötig, auf die Zehen zu steigen. In den zuständigen Behörden und Institutionen hält sich die Begeisterung allerdings in Grenzen, und man tröstet sich mit der Erkenntnis, dass es ja den Frauen und Müttern nicht viel besser geht. Ganz nach dem Motto: Jetzt bekommen auch einmal die Männer jenen Gegenwind zu spüren, der den Frauen schon seit Jahrzehnten entgegenweht!

Nun, der Sache selbst hilft das alles nicht. Aber solange es unter den Vätern noch mutige Freiwillige gibt, die sich trotz allem fürs Zuhausebleiben entscheiden, besteht noch Hoffnung. Dazu zählen freilich insbesondere die Firmenchefs. Schließlich soll es auch dort noch "echte Männer" geben.