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Der Kampf gegen die Anglizismen

Von Edwin Baumgartner

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Im Internet, Bitte um Nachsicht: im Weltnetz, wird derzeit wieder verstärkt gegen Anglizismen gewettert. Die sind ja bekanntlich der Tod des Deutschen, so, wie schon seinerzeit der Wemfall den Wesfall umgebracht hat. Diesem Kampf gegen den Anglizismus stellen sich wackere Mitglieder lobesamer Vereine zur Bewahrung der deutschen Sprache.

Ausgerechnet der in Berlin lebende Engländer Adam Fletcher gibt Deutschbewahrern ein freisliches Hilfsmittel an die Hand: Auf der Weltnetz-Anschrift www.deutschretten.com/ findet man für jeden der gebräuchlichen Anglizismen einen deutschen Ausdruck. Statt "nonstop" verwendet der Deutschkonservator etwa "endlos", statt "Interview" "Vorstellungsgespräch" und statt "Party" "Feier". Ich werde also nächste Woche endlos nach London fliegen in der Hoffnung, daselbst ein Vorstellungsgespräch mit der Königin führen zu können. Am Samstag muss ich aber wieder in Wien sein, weil mein Freund mich zu einer Gartenfeier eingeladen hat.

Soweit, so lächerlich.

Der wirklich unangenehme Teil des Kampfes gegen Anglizismen ist, dass ihn auch die rechtsextreme NPD führt. Bereits 2007 begehrte sie: "In Redebeiträgen wie im Schriftverkehr ist künftig verstärkt darauf zu achten, dass Anglizismen unterbleiben und die deutsche Sprache verwendet wird." So treffen einander Antiamerikanismus und Deutschtümelei, und nicht bei allen, die sich derzeit prinzipiell gegen jeden Anglizismus wenden, bin ich sicher, worum es ihnen wirklich geht. In einigen Fällen kann ich gar nicht soviele englische Vokabel lernen, wie ich sie als Anglizismen verwenden möchte.