PodcastKonkurrenzkampf im Güterverkehr zwischen ÖBB und Alternativanbietern hat sich verschärft. | Kritik der Kleinen an Marktdominanz der staatlichen Bahn. | ÖBB bereits zu mehr als zwei Drittel im Ausland aktiv. | Wien/Graz. In Österreich herrscht zwischen den kleinen, privaten Eisenbahngesellschaften und der staatlichen Rail Cargo Austria, der Güterverkehrssparte der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), ein beinharter Kampf um jeden einzelnen Auftrag. "Der Verdrängungswettbewerb muss sein", sagt Gerhard Eibinger, Geschäftsführer des steirischen Privatbahn LTE mit Sitz in Graz. Weil so die Qualität des Güterverkehrs wirklich steigt und die Verlader davon profitieren. Eibinger: "Durch den Wettbewerb wird die Schiene für unsere Kunden erst attraktiv." Und dieser Konkurrenzkampf zwischen immer mehr auftauchenden Mitbewerbern ist eine Folge der von der EU forcieren Schienenliberalisierung. Ob der Wettbewerb noch härter wird, kann Eibinger aber nicht so recht glauben. Denn die großen ehemaligen staatlichen Monopolbahnen würden derzeit in ganz Europa und Österreich ist dabei keine Ausnahme mit allen Mitteln versuchen, den Wettbewerb abzuwürgen. Fazit: Sie kaufen kleine Konkurrenten und Marktanteile ein und tragen so zur Herausbildung von oligopolistischen Strukturen im europäischen Bahngüterverkehr bei.
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#Dumping-Preise
LTE verliert und gewinnt. Von 2004 bis 2006 haben die Steirer für einen Kunden einen Kombi-Ganzzug zwischen Graz und Duisburg entwickelt und produziert. "Das war ein echtes Neugeschäft für die Schiene", erinnert sich Eibinger. Nach Auslaufen des dreijährigen Vertrages verlor LTE dieses Geschäft an den Mitbewerber Rail Cargo Austria (RCA), der nach Eibingers Aussagen den Kunden mit Dumping-Preisen abgeworben hatte.
Die ÖBB-eigene RCA will vom alten Eisenbahntransport von A nach B längst nichts mehr wissen. "Wir sind ein breit aufgestelltes Logistik-Unternehmen mit einem Netzwerk und internationalen Verbindungen", stellt RCA-Vorstand Ferdinand Schmidt klar.
Die vergleichsweise kleine LTE hat mit Ziehen von Zügen in ganz Europa im Vorjahr 15 Mio. Euro verdient und unterm Strich ein Gewinn erzielt. Die Tonnage lag bei einer Million Gütertonnen. Der Zementhersteller Holcim beispielsweise fährt mit LTE Zement-Züge von der Slowakei nach Österreich.
Waren zu RCA-Zeiten dafür 150 Waggons notwendig, so produziert LTE diesen Zug derzeit mit 30 Güterwagen. Eibinger: "Das ist ein sichtbarer Qualitätssprung."
Mittel- und Osteuropa
RCA spielt ob der Größe in der Oberliga. 2006 wurde ein Umsatz von 2,2 Mrd. Euro eingefahren und wurden 93 Mio. Tonnen transportiert. Davon 70 Prozent gar nicht in Österreich, sondern in Europa.
"Wir schauen uns derzeit alles an, was in unser Portfolio passt", so Schmidt. Die Musik spielt in Osteuropa. Nach der gescheiterten Übernahme der slowakischen Güterbahn ZSSK Cargo (Zeleznicna Spolocnost Slovensko Cargo) wirft RCA ein scharfes Auge auf die zum Verkauf stehende Güterverkehrsbereich der Ungarischen Staatsbahnen.
An harscher Kritik aus der privaten Verkehrswirtschaft fehlt es nicht: Die ÖBB würden mit Staatsgeld ihre Expansion betreiben, lautet der Vorwurf. Ist nicht wahr, kontert RCA. Schmidt: "Jedes Investment, das wir machen, wird auf seine Wirtschaftlichkeit hin geprüft." Das Geld müsse schließlich zurückverdient werden, so Schmidt.
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