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Der Kampf um mehr Technikstudenten

Von Karl Ettinger

Politik

Die Hörerzahlen an allen Universitäten sinken. Bei Informatik gibt es trotz Zugangsbeschränkungen mehr Abschlüsse.


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Wien/Graz. Die Zugangsbeschränkungen an Österreichs Universitäten beschäftigten am Donnerstag den parlamentarischen Wissenschaftsausschuss. Anlass war der Tätigkeitsbericht der Ombudsstelle für Studierende. Darin wird eine Erleichterung bei Aufnahmeverfahren in Fächern mit einem regulierten Zugang empfohlen. Demnach sollten eventuell freigebliebene Plätze allen Interessenten offenstehen.

Insgesamt ist die Zahl der Studenten an den 21 heimischen Universitäten im abgelaufenen Wintersemester 2018/19 um 9500 auf 268.600 gesunken. Das war ein Rückgang um 3,4 Prozent, wie aus Daten des Bildungsministeriums hervorgeht. Es war der zweite Rückgang innerhalb von zwei Jahren.

Größter Rückgang an der Technischen Universität Wien

Bei den Studienanfängern gab es mit 45.500 ordentlichen Neuzugelassenen ebenfalls ein Minus von 3,8 Prozent. Bemerkenswert dabei ist: In Relation zur Studentenzahl war der Rückgang an der Technischen Universität Wien (TU Wien) mit einem Minus von neun Prozent am stärksten, gleichauf mit der Universität Graz. Das ist insofern interessant, weil einerseits seit längerem dafür geworben wird, ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium zu beginnen, und andererseits die Jobchancen für Absolventen besonders günstig sind.

An der TU Wien ist man allerdings angesichts der Entwicklung keineswegs im Alarmzustand. "Der Studentenrückgang hängt mit den geburtenschwächeren Jahrgängen zusammen, das ist kein TU-Spezifikum", erläutert Pressesprecherin Bettina Kunnert im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dazu kommt auch die Konkurrenz für die Universitäten durch die Fachhochschulen, die potenzielle Anfänger abziehen. Die Maturantenzahlen sinken seit 2014 und sollen erst 2021 laut Hochschulstatistik steigen. 14 der 21 Universitäten verzeichneten einen Hörerschwund.

An der Technischen Universität Wien wurde zuletzt, dort, wo es Zugangsbeschränkungen gibt, noch eine andere Entwicklung registriert. Trotz der Zugangsbeschränkungen in Informatik hat dies keine negativen Auswirkungen auf die Absolventenzahlen. Im Gegenteil: "Die Fakultät für Informatik führt seit dem Studienjahr 2016/17 vor Studienbeginn ein Aufnahmeverfahren durch. Die ersten Zahlen und Erfahrungen damit zeigen, dass der positive Abschluss des Aufnahmeverfahrens in Kombination mit unterstützenden Maßnahmen für den Studienbeginn Studierende motiviert und befähigt, ihr Studium in sehr guter Qualität und Zeit erfolgreich zu absolvieren", wird von Seiten der TU Wien inzwischen betont. Exakte Zahlen waren kurzfristig nicht verfügbar.

Worin werden nun die Gründe dafür gesehen? Die Rate der Studienabbrecher ist niedriger. Wer unter diesen Bedingen sein Informatikstudium begonnen hat, zieht es häufiger durch.

Konkurrenz durch Fachhochschulen

Die Registrierungsfrist für das Aufnahmeverfahren für Bachelor Informatik und Wirtschaftswissenschaften an der TU Wien für das kommende Herbstsemester ist übrigens seit 7. März im Laufen. Die Frist endet am 15. Mai.

Insgesamt zählt die TU Wien im laufenden Sommersemester 29.466 Studierende. Zum Vergleich: Im Wintersemester 2016 waren es noch 31.368, im Wintersemester 2014 immerhin 31.310. Bei den Studienanfängern wurden im Wintersemester 2014 noch 6157 Neuzugelassene gezählt, im vergangenen Wintersemester 2018 waren es 5271.

Ein Rückgang der Zahl der Studenten wurde auch an der Technischen Universität Graz verzeichnet. Dort wird neben der sinkenden Zahl an Maturanten ebenfalls auf das "breitere Angebot" für Schüler nach der Schule verwiesen. Barbara Gigler, Pressesprecherin an der TU Graz, nennt der "Wiener Zeitung" außerdem noch einen weiteren Grund für den rückläufigen Andrang in der steirischen Landeshauptstadt: Die aufgrund der Konjunktur gute Situation auf dem Arbeitsmarkt habe dazu beigetragen, dass manche nach dem Schulabschluss sofort arbeiten gehen. Möglicherweise habe sogar das schlechte Abschneiden der Maturanten bei der Zentralmatura im vergangenen Frühsommer Auswirkungen gehabt.

An der TU Graz ist die Zahl der Studienanfänger von 1751 um 31 auf 1720 im abgelaufenen Herbstsemester 2018/19 gesunken. Insgesamt zählt man knapp 13.800 Studenten.

Die technischen Universitäten werben um potenzielle Hörer. "Wir sind da schon sehr aktiv", wird in Graz versichert, etwa im IT- und Chemiebereich. Am mangelnder Werbung und Engagement sollte es nicht liegen: Es gibt sogar eine Zusammenarbeit der beiden Technischen Unis in Graz und der Montanuniversität in Leoben. Damit das Studium mehr Faszination ausübt, gibt es an der TU Graz auch Studienteams, die an internationalen Wettbewerben teilnehmen, etwa in Robotik oder im Energiebereich. Trotz Ausweitung der Zugangsbeschränkungen ist der freie Hochschulzugang die Norm. Nach einer Aufstellung des Bildungsministeriums gibt es für 88 Prozent der Bachelor- und Diplomstudienrichtungen einen unbeschränkten Zugang.

Aufnahmeverfahren für40 Prozent der Anfänger

Auffallend ist: Der Andrang an den Unis ist ganz unterschiedlich. Gut jeder Zweite wählt eines der 20 am meisten nachgefragten Fächer. Zu diesen zählen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Jus, Wirtschaftsrecht, Pädagogik, Informatik und Biologie. Das hat zur Folge, dass mit Stand vom Jänner dieses Jahres 40 Prozent der Studienanfänger ein Aufnahmeverfahren absolvieren mussten, weil sie in ein überlaufenes Fach drängen.

In den meisten Fächern liegt die Entscheidung bei den Universitäten, ob sie Zugangsbeschränkungen einführen. Momentan dürfen in den Studienfeldern Architektur/Städteplanung, Biologie/Biochemie, Publizistik/Kommunikationswissenschaft, Informatik, Pharmazie und Wirtschaftswissenschaften Aufnahme und Auswahlverfahren durchgeführt werden. Ab dem Wintersemester 2019/20 ist das auch bei Jus, Erziehungswissenschaften und Fremdsprachen möglich.

Der SPÖ sind die Zugangshürden ein Dorn im Auge. SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl warnt vor einer Verschärfung der Situation. In den nächsten Jahren drohe ein Minus von 20.000 Studienplätzen an Universitäten. Dem stehe der "magere Ausbau" der Fachhochschulen um 4500 neue Plätze gegenüber.