Der korrekte Osterhase

Von Monika Jonasch

Wirtschaft
Ein Osterhase muss heute mehr als nur süß sein.
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Bei Schokolade treffen viele Probleme der globalen Wirtschaft aufeinander.


Kakao vereint in sich viel Gutes - auf dem Weg bis in den Schokoladehasen zu Ostern sammelt er jedoch auch viel Schlechtes ein. Bedingt durch Anbaugebiete in den subtropischen Regionen der Erde, in Südamerika, Westafrika und Asien, bringt der Rohstoff die dortigen problematischen Produktionsbedingungen mit: Pestizidbelastung, Regenwaldrodungen sowie ausbeuterische Arbeitsbedingungen bis hin zur Kinderarbeit.

Aus dem Supermarktregal hoppeln die Hasen ungeachtet dieser Tatsachen auf den heimischen Ostertisch. 840 Millionen Euro erwirtschaften die großen internationalen Süßwarenkonzerne allein zu Ostern in Österreich, rechnete die Schweizer Stiftung Común bei einem Pressegespräch am Mittwoch in Wien vor. Den bunten Hasen-Verpackungen ist jedoch nicht zu entnehmen, was sie enthalten. Gerade die beliebtesten Marken kümmern sich wenig um Transparenz bei ihren Lieferketten. Sie garantieren weder für korrekte Arbeitsbedingungen noch für Klimaschutz noch für schadstofffreie Produkte.

Große Marken brauchen keine Transparenz

Bislang fahren die großen Produzenten damit gut, auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" heißt es etwa vom Supermarktkonzern Spar: "Fairtrade-Schokolade ist in aller Munde, es gibt mittlerweile ein breites Angebot. Die Top-Seller sind aber nach wie vor die Klassiker wie Milka- und Lindt-Hasen."

Laut einer Statista-Umfrage von 2022 gehören Bio und Fair Trade nicht zu den vorrangigen Kaufkriterien in Österreich. Sie liegen hinter Geschmack, Frische und Regionalität an neunter (Bio) sowie 14. Stelle (Fair Trade). Auf Platz 6 befindet sich der niedrige Preis. Dieser wird wohl heuer weiter vorrücken, wurden doch auch die Hasen teurer: "Um ungefähr acht Prozent sind die Schokohasen im Preis gestiegen", heißt es von Spar. Dies übt noch mehr Druck auf die Kakaobauern aus und verschärft deren Arbeitsbedingungen, denn die Einkäufer der Süßwarenkonzerne kaufen stets zum niedrigsten Preis ein.

Langsam ändert sich dennoch etwas, wie der alljährlich zu Ostern präsentierte Nachhaltigkeits-Check der Menschenrechtsorganisation Südwind und Global 2000 zeigt. Heuer wurden 33 Schoko-Figuren aus heimischen Supermärkten auf ökologische und soziale Verträglichkeit geprüft. Sechs Osterhasen bekamen die doppelt-grüne Bestnote, sie weisen alle das EU-Bio-Siegel und ein Fairtrade-Gütesiegel auf.

Zehn der getesteten Produkte trugen allerdings gar keine Siegel, darunter sind die bekanntesten Produzenten mit den beliebtesten Schokohasen. "Die Branchenriesen setzen lieber auf eigene Marken-Kommunikation als auf Transparenz gegenüber ihren Kunden", so Gudrun Glocker, Lieferketten-Expertin bei Südwind. Die großen Produzenten hätten teils eigene, für Konsumenten jedoch intransparente, Nachhaltigkeitsprogramme.

Andererseits gibt es auch Kritik an Fairtrade & Co. So erklärte Österreichs Parade-Chocolatier Josef Zotter: "Ich halte Fairtrade ja weiter für eine gute Idee, es ist besser als gar nichts. Aber ich will, dass meine Kunden eine Schokolade bekommen, in der drin ist, was draufsteht." Zotter setzt auf sein eigenes "Fair-Handzeichen" und ist Mitglied der World Fair Trade Organization (WFTO) und will sich so "von der Massenbilanzierung im Fairtrade-System" distanzieren.

Zertifikate allein sind ohnehin zu wenig, erklärte Sandra Dütschler von der Gebana AG. Sie sorgen zwar für einen Zuverdienst der Kakaobauern, aber nur in Höhe von zwei Prozent. Das sei zu wenig, um deren Lebenshaltungskosten zu decken. Gebana und Común präsentierten am Mittwoch den "Angry Gorilla" als Gegenentwurf zum Osterhasen. Das Schoko-Statement gegen die Missstände der Industrie weist eine transparente Lieferkette auf. Vom Online-Erlös werden zehn Prozent an die 1.400 Kakaobauern in Togo direkt ausgezahlt. So engagiert die Initiative jedoch auch ist, es braucht mehr, um die dunklen Seiten der Schokolade zu entschärfen. Daher fordern immer mehr Menschen von der Politik, einen strengeren Rechtsrahmen zu schaffen, national und EU-weit.

Hoffnung auf EU-Lieferkettengesetz

Eine Haftung für alles, was entlang der Lieferketten geschieht, das ist die ursprüngliche Idee hinter dem EU-Lieferkettengesetz. Im Mai soll es durch das Europäische Parlament gehen. Schon im Vorfeld wird jedoch Kritik daran laut: Zu wenig ambitioniert sei es, besonders bei der Haftung für Menschenrechtsverletzungen und Klimafolgen, erklärte etwa die Arbeiterkammer (AK). Lobbying-Vorstöße bei der österreichischen Politik hätten zudem gezeigt, dass diese es dennoch als bürokratisch und wirtschaftsfeindlich betrachtet.

Unternehmen beschäftigen sich ohnehin stets mit ihren Lieferketten, um billigst möglich zu produzieren, erklärt dazu Común-Vorsitzende Veronika Born-Mena gegenüber der WZ. Der Mehraufwand halte sich also in Grenzen. Ohne gesetzliche Regelung würden jedoch jene benachteiligt, die auf Nachhaltigkeit und menschenwürdige Arbeitsbedingungen achten.

Angesichts all dessen könnte der Schoko-Osterhase nun schwer im Magen liegen. Aber es gibt auch gute Neuigkeiten: So haben Berglandmilch, Manner und Ölz 2021 auf Fairtrade-Kakao umgestellt. Österreich rückte infolgedessen 2022 mit einem Pro-Kopf-Konsum von Fair Trade-Produkten pro Jahr von 55 Euro weltweit auf Platz 2 vor, hinter die Schweiz (103 Euro).