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Der Kreuzberger Christkindlkrieg

Von Edwin Baumgartner

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Die Grundfeste der europäischen Kultur gerät wieder einmal ins Wanken, befürchtet man weiter rechts der Mitte. Schuld sind, bitte dreimal raten - na? Die Moslems. Klar. Wer sonst?

Also, von Anfang an in Kurzfassung: Im Berliner Stadtbezirk Kreuzberg sollen zugunsten von "denen" (den Moslems nämlich) "unsere" (gut, aber weiter rechts der Mitte differenziert man zwischen Deutschland und Österreich nicht so genau) Weihnachtsfeiern untersagt werden. Grenzübergreifende nachluftschnappende Empörung hierorts: "Wir" (Österreichdeutschen) lassen uns von "denen" (Kopftuchterroristen) unsere christliche Kultur nicht verbieten.

Was dran ist? - Nun: Der Ordnungsstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Peter Beckers (SPD), traf eine salomonische Entscheidung: Angesichts der anwachsenden Flut religiöser Feiern auf öffentlichen Plätzen werden diese nur noch für Feste zur Verfügung gestellt, die "keine Selbstdarstellung von Religiosität in der Öffentlichkeit befördern". Es trifft Christen und Moslems gleichermaßen, die sich nun gemeinsam auf die Suche nach integrationsfördernden Ideen begeben können. Auf Privatgrundstücken bleibt ohnedies alles, wie es war. Soll heißen: Das Christkind - oder in Berlin wohl der Weihnachtsmann - behält die Überflugsgenehmigung.

Dass es, nebenbei bemerkt, christliche Religionen gibt, die kein Weihnachten feiern, sei jenen ins Stammbuch geschrieben, die das angeblich wichtigste Fest des religiösen Jahres, fern aller christlichen "Nächstenliebe", bloß für eine Hetze gegen andersgläubige Immigranten nützen.