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Der Laufschuh des Anstoßes

Von Christoph Rella

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Der Prime-X-Laufschuh ist nicht billig. Rund 250 Euro kostet das Stück aus der Kreativabteilung des Adidas-Konzerns. Sollte die Firma das Ding Derara Hurisa, dem Doch-nicht-Sieger des Vienna City Marathons am Sonntag, als Sponsorenleistung zum Geschenk gemacht haben, so war dies ein Danaergeschenk. Aber das konnte der Äthiopier wohl noch nicht wissen, immerhin gilt der Schuh, wie es so in der Werbung (falsch) heißt, zu den "schnellsten" in der Laufszene. Das Problem ist: Treter dieses Typs sind für Profis laut Reglement nicht zugelassen. Der Absatz des Laufschuhs misst 50 Millimeter, erlaubt sind nur 40. Aber macht das so viel aus?

Ja, das tut es und hat mit einer speziellen Technik zu tun. Beim Prime X sind in der Sohle ein Carbonfaser-Inlay sowie Carbon-Stifte, die als "Zehenverlängerer" für eine noch energieeffiziente und gesündere Abrollbewegung sorgen, eingesetzt. Damit weniger Energie verloren geht, ist das Ganze von einem sehr leichten Dämpfungsschaum ummantelt. Dieser bringt, mehr als bei der herkömmlichen Carbonplatten-Technologie, eine Ersparnis von einigen Joule pro Schritt - und folglich eine Laufzeitverkürzung von mindestens einem Prozent.

In Hurisas Fall, der den Wiener Lauf mit einer Zeit von 2:09,22 beendet hat, kamen da einige Sekunden zusammen, weswegen auch die Aberkennung des Sieges - der Zweitplatzierte kam ja nur drei Sekunden später ins Ziel - absolut in Ordnung geht. Allein Hurisa steht jetzt als Betrüger da, zumal er noch bei der Nennung ein korrektes Modell angegeben hatte. Dass er die 50-Millimeter-Treter unabsichtlich angezogen hat, das kauft ihm keiner ab.