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Der Mann für ein elektrisierendes Afrika

Von Alexander U. Mathé

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Akinwumi Adesina ist der neue Chef der Afrikanischen Entwicklungsbank.


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Größe ist nicht immer vorteilhaft. Etwa wenn man Direktor der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) werden möchte. Bisher stellten Länder wie Ruanda, Malawi oder Tunesien den Chef der größten Finanzinstitution des Kontinents. Beachtenswert also, wenn es jemand aus Nigeria - der größten afrikanischen Volkswirtschaft - schafft, sich an die Spitze zu kämpfen: Das ist seit dieser Woche Akinwumi Adesina. Die Ernennung des 55-Jährigen ist nicht nur eine nigerianische, sondern auch eine persönliche Erfolgsgeschichte. Adesina stammt aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater war ein Landarbeiter, der es seinem Sohn dennoch ermöglichte, in der Kulturstadt Ife landwirtschaftliche Wirtschaft an der Obafemi Awolowo Universität zu studieren, die als die renommierteste in Nigeria gilt. Kaum den Bachelor in der Tasche, zog es ihn in die USA, wo er an der für Ingenieurswissenschaften berühmten Purdue University sein Studium abschloss - jener Universität, an der schon Raumfahrtpionier Neil Armstrong seine Ausbildung erhielt. Adesina arbeitete nach dem Studium für die Rockefeller-Stiftung und stieg alsbald zum Vizepräsidenten der "Alliance for a Green Revolution in Africa" auf, einer milliardenschweren gemeinsamen Initiative der Stiftungen Rockefeller sowie Bill und Melinda Gates. Das Ziel: das Potenzial von Kleinbauern zu entfesseln. Unter anderem kümmerte sich die Entwicklungshilfeorganisation um die Erhöhung der Fruchtbarkeit von Böden und darum, Bauern Samen zur Verfügung zu stellen sowie den Marktzugang für die Landwirte zu verbessern. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Reform ist seiner Ansicht nach, die Landwirtschaft in ein rentables Geschäft zu verwandeln und sich auf Investitionen statt auf Hilfen und Entwicklung zu konzentrieren. Seine Erfahrung und sein Wissen konnte er schon bald für Nigeria einsetzen, dessen Landwirtschaftsminister er von 2011 bis vor kurzem war. Seine Reform des vergleichsweise lahmen nigerianischen Landwirtschaftssektors beeindruckte dermaßen, dass das "Forbes"-Magazin ihn 2013 zum Afrikaner des Jahres wählte. Er tritt sein Amt als Chef der AfDB mit besten Voraussetzungen und Empfehlungen an. Sein Ziel ist es, die Bank zur ersten Adresse bei der Finanzierung von Entwicklungsprojekten in Afrika zu machen. Dass bei der jährlichen Vergabe von Krediten in Höhe von fast zwei Milliarden Euro der landwirtschaftliche Sektor besonders im Fokus stehen wird, ist klar. Doch ist ihm auch die Energieversorgung des Kontinents ein besonderes Anliegen. Adesina will das existierende Defizit auf diesem Gebiet unbedingt eliminieren. Denn dieses trägt zu einem weiteren Problem bei: Der Deindustrialisierung Afrikas, die fast unbemerkt eingesetzt hat - und ohne Industrialisierung gibt es für Adesina keine Entwicklung.