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Der nächste Schritt

Von Walter Hämmerle

Leitartikel
Walter Hämmerle.
© Luiza Puiu

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Für jeden, der demnächst durch die Räume des Hauses der Geschichte Österreichs spaziert, ist eines sonnenklar: Dieser Zustand hat nur als improvisierter erster Schritt, der Idee unserer Republik einen Ort zur Selbstreflexion zu ermöglichen, Berechtigung. Und ebenso klar ist auch: Hinter das Erreichte werden keine Regierung, kein Politiker und kein Meinungsträger mehr zurückkönnen. Und hoffentlich auch nicht wollen.

Das beginnt mit der räumlichen Situation in der Neuen Burg, mit dem unübersichtlichen Ein- und Aufgangsbereich, wo die künftigen Besucher sich leicht verirren können. Dann sind da die viel zu kleinen Ausstellungsflächen in der Beletage; diese unterbinden von vornherein die Möglichkeit, zu einem Ort für Diskussionen und Begegnungen zu werden. Sodann die Gremien- und Beiratsstruktur, wo Feind und Freund des Hauses ihre Schlachten schlagen, statt gemeinsam an der Verwirklichung seiner Idee zu arbeiten. Und, nicht zu vergessen: all die finanziellen und organisatorischen Improvisationen.

Trotzdem: All dies, also der erste große Schritt, hat seine Zwecke erfüllt. Nun gilt es, mit Nachdruck den zwingend nächsten Schritt zu setzen. Diese Notwendigkeit hat offensichtlich auch die Bundesregierung erkannt. Sie will dem vielfach improvisierten Provisorium nun eine feste Zukunft geben, und zwar als "Haus der Republik", organisatorisch angebunden an das Parlament.

Das Hohe Haus passt ohne Zweifel besser zu diesem Projekt im Werden als die Nationalbibliothek. Im Parlament findet - im Zusammenspiel und in der Konfrontation der Parteien - der politische Wille der Bürger seinen konkreten wie übertragenen Ausdruck.

Allerdings steckt wesentlich mehr in der Idee von der Republik, als je im Zusammenspiel der Parteien zum Ausdruck kommen könnte. Das ist nicht einmal als Kritik an den Parteien gemeint, sondern vor allem eine Tatsachenfeststellung. Ihren Stempel haben die Parteien, die 1918 die Republik begründeten und 1945 wieder errichteten, dem Land und seiner politischen Kultur ohnehin fest aufgedrückt.

Das Projekt ist auf Schiene, folglich besteht kein Grund, künftige Verhältnisse ohne dringende Notwendigkeit in Stein zu meißeln. Unter dem Dach des Parlaments geht es dann darum, dem künftigen Haus der Republik eine bleibende Form und ein nachhaltiges Konzept zu geben.

Wenn dann alle Argumente, alle Ideen und alles Für und Wider hin und her gewälzt worden sind, dann gibt es hoffentlich einen breiten Konsens darüber, dass die Republik mit allen ihren Leistungen und Brüchen, ihren Konflikten und Sehnsüchten, sich nur mit einem würdigen Neubau ein passendes Denkmal zu setzen vermag.