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Der neue US-Präsident übernimmt ein schweres Erbe, aber das schnell

Von Alexander U. Mathé

Analysen

Auf jeden Fall werden wir künftig weniger zu lachen haben. Der große Verlierer der US-Präsidentschaftswahl ist heute George W. Bush - und somit auch der Humor. Ganze Bücher wurden gefüllt mit Hoppalas des Präsidenten, dessen politischer Freund niemand mehr sein will: Ob er nun Slowenien mit der Slowakei verwechselte, die Griechen als Grecians (in etwa: Griechenländer) bezeichnete, oder den Namen des pakistanischen Präsidenten nicht kannte. | Diese unfreiwillige Komik (des auch tatsächlich spaßigen Bush) verstärkte den Eindruck, er habe mit Außenpolitik nicht viel am Hut. Die Kriege, welche die USA unter seiner Führung fochten, unterstrichen dies noch weiter. Fraglich ist indes, wie viel Manövrierbreite Bush tatsächlich hatte, wie viele der ihm vorgeworfenen Verfehlungen er tatsächlich vermeiden hätte können. Und automatisch erhebt sich somit auch die Frage, wie viel Handlungsspielraum sein Nachfolger haben wird.


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Selbst Obama-Vize Joe Biden blickte nicht sonderlich optimistisch in die Zukunft und sagte: "Es wird keine sechs Monate dauern, ehe die Welt Barack Obama testen wird, wie sie es mit John F. Kennedy getan hat ... Wir werden eine internationale Krise haben ... dann werden wir Eure Hilfe brauchen, denn es wird am Anfang nicht offensichtlich sein, dass wir Recht haben."

Worte, die nicht so klingen, als könne man das Schicksal beeinflussen. Worte, die fast schon nach einer Rechtfertigung für George Bush klingen.

Dazu übernimmt der Erbe Bushs den ganzen Ballast: Die Einsätze im Irak und in Afghanistan, eine Finanzkrise gepaart mit Schulden in Höhe von zehn Billionen Dollar und eine de facto nicht existente Klimapolitik (auch wenn Bush den Bau sauberer Kohlekraftwerke unterstützte).

Und genau hier - am Ende seiner Regentschaft - kann man eine gewisse Größe und Stärke Bushs erkennen. Denn kein Präsident der Vereinigten Staaten hat jemals dermaßen gut vorbereitet sein Amt übernommen wie der gestern neu gewählte 44.; dafür hat Bush gesorgt. Seit dem Frühjahr hat er nämlich die Übergabe der Amtsgeschäfte minutiös, sorgsam und sorgfältig in die Wege geleitet und erhielt dafür große Anerkennung von Republikanern und Demokraten gleichermaßen. Bundesbehörden wurden angewiesen, sich auf die neue Regierung vorzubereiten und zwar mit Vertretern McCains und Obamas.

So haben hohe Beamte des Finanzministeriums bereits signalisiert, dass man bereit sei, den Chef der Abteilung zur Rettung der Finanzen noch vor der präsidialen Amtsübergabe am 20. Jänner auszutauschen. Der Start des neuen Präsidenten wird sich somit vielleicht nicht ganz so lustig gestalten, dafür aber umso schneller.

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