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Der Pate und sein Junior

Von WZ-Korrespondent Klaus Stimeder

Politik

Nach dem Bekanntwerden des Treffens von Präsidentensohn Donald Trump Jr. mit einer Anwältin mit Verbindungen zum Kreml übt sich das Weiße Haus in Schadensbegrenzung. An der extrem schiefen Optik ändert das nichts.


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Washington. Die Aufarbeitung des jüngsten politischen Skandals begann, wie dieser Tage üblich, mit einem Kommentar darüber, was der Präsident im Fernsehen gesehen hat. "Offen, transparent und unschuldig", twitterte Donald Trump frühmorgens in die Welt hinaus, sei der Auftritt seines Sohns beim befreundeten Fox-News-Moderator Sean Hannity gewesen; einen "guten Job" habe Donald Jr. gemacht, und das angesichts der "größten politischen Hexenjagd der Geschichte".

Im Übrigen gebe es keinen Grund zur Sorge, das Weiße Haus funktioniere "perfekt"; man konzentriere sich "auf die Reform des Gesundheitssystems, Steuern und viele andere Dinge. Ich habe nur sehr wenig Zeit zum Fernsehen." Ob das angesichts der aktuellen Volte in der endlosen Trump-Russland-Saga reicht, um von der Causa Prima abzulenken, scheint indes mehr als zweifelhaft.

Im Juni 2016 hatte sich Donald Trump Jr. gemeinsam mit seinem Schwager Jared Kushner und dem damaligen Wahlkampfleiter Paul Manafort im Trump Tower zu Manhattan mit der Anwältin Natalia Veselnitskaya getroffen. Die Russin pflegt einschlägige Verbindungen zum Kreml und tritt regelmäßig informell als Lobbyistin in dessen Diensten auf. (Zuletzt versuchte sie im Europäischen Parlament vergeblich, den Abgeordneten ein als Dokumentation getarntes Agitprop-Machwerk über den 2009 unter seltsamen Umständen in einem Moskauer Gefängnis ums Leben gekommenen Korruptionsaufdecker Sergei Magnitsky als Wahrheit zu verkaufen. Einzig der Intervention von Elmar Brok, dem Vorsitzenden des Außenpolitik-Ausschusses im EU-Parlament, ist es zu verdanken, dass es nie zu einer offiziellen Aufführung kam.)

Über den Zweck ließ der Mann, der das Meeting organisierte - er war einst für die von Trump verantworteten Schönheitswettbewerbe in Moskau zuständig - keinen Zweifel: Die Russen hätten Infos, die dem Kandidaten der Republikaner behilflich sein könnten. Der Kommentar des Präsidentensohns dazu: "I love it!"

Antrag auf Amtsenthebung

Darüber, was bei dem Treffen - das erst dank Recherchen der "New York Times" bekannt wurde - tatsächlich besprochen wurde, gehen die Meinungen auseinander. Veselnitskaya sagt, Clinton sei kein Thema gewesen, obwohl Trump Jr. wörtlich "ganz heiß" auf die russischen Infos über die Ex-Außenministerin gewesen sei. Die daraus resultierende schiefe Optik lässt sich auch deshalb kaum korrigieren, weil sich mittlerweile nahezu täglich neue Fronten auftun. So beantragte der demokratische Kongressabgeordnete Brad Sherman aus Kalifornien am Mittwoch offiziell ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten. Dem ersten Schritt dieser Art gegen Trump werden freilich geringe Aussichten eingeräumt, überhaupt im Abgeordnetenhaus behandelt zu werden.

Adam Schiff, Demokrat aus Kalifornien und Vorsitzender des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, ließ jetzt durchsickern, dass sich die Untersuchung seiner Kammer auf die Firma Giles-Parscale konzentriere, die für den digitalen Teil der Trumpschen Wahlkampagne verantwortlich zeichnete. Laut Schiff wolle der Ausschuss so bald wie möglich deren Chef Brad Parscale vorzuladen. Der 41-jährige Texaner, bis zu seiner Kür zum Leiter von Trumps virtuellem Wahlkampf völlig unbekannt, soll Fragen beantworten wie jene, wie es den russischen Bots seiner Meinung nach möglich war, mit ihrer Anti-Clinton-Propaganda ganz gezielt Wahlbezirke anzugreifen, die als "Swing Districts" gelten. Um eine solche Strategie umzusetzen, braucht es Daten, die in der Regel nur aus den Hauptquartieren der Parteien und ihrer Spitzenkandidaten kommen können.

Am Ende machten von insgesamt 13,9 Millionen in drei "Swing States" abgegeben Stimmen nur 77.744 den Unterschied aus. Im Detail: In Michigan fehlten Clinton 5353 Stimmen zum Sieg, in Wisconsin 11.375 und in Pennsylvania 22.147.

Aber nicht nur von außen erwartet Trumps Präsidentschaft neues Ungemach. Wie die gewöhnlich gut informierten Reporter von "Politico" berichten, geht unter jenen Mitarbeitern des Weißen Hauses, die nicht zum inneren Führungszirkel zählen, die Angst um, es könnte sich bei dem Skandal lediglich um die Spitze eines Eisbergs handeln, dessen Größe noch nicht einmal annähernd abzuschätzen sei. Die mittlerweile alles andere als unrealistische Furcht: Wenn schon Konversationen wie die von Trump junior mit der russischen Anwältin bekannt werden, sei gar nicht erst auszudenken, was der nach der Entlassung von FBI-Direktor James Comey eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller noch alles ausgraben wird. Nicht nur in dieser Hinsicht droht Trump seine Vergangenheit einzuholen.

Hollywood lässt grüßen

In Hollywood, wo der heutige US-Präsident einst dank der Reality-TV-Show "The Apprentice" zum Fernsehstar aufstieg, weiß man nur zu gut um sein nicht immer friktionsfreies Verhältnis zu seinem Nachwuchs. Nicht umsonst und nicht zum ersten Mal verglich das Monatsmagazin "Vanity Fair" Trump Jr. jetzt mit der fiktiven Figur des Fredo Corleone, dem einst im Kultfilm "Der Pate" von John Cazale dargestellten jüngeren Bruder des Mafia-Paten Michael Corleone (Al Pacino). Der Vergleich kommt nicht von ungefähr. Am Set von "The Apprentice" hatte Vater Trump seinen jüngsten Sohn Zeugen zufolge schon mal einen "Vollidioten" und "zurückgeblieben" genannt.

Als Anwalt hat Trump Jr. übrigens einen gewissen Alan Futerfas angeheuert. Insofern eine weise Wahl, als es in den USA kaum Anwälte gibt, die im Verteidigen von Klienten mit einschlägigem Hintergrund mehr Erfahrung haben: In den 1980ern und 1990ern vertrat Futerfas zahlreiche Mitglieder der im "Paten" auf der Leinwand verewigten New Yorker Mafia-Familien Bonnano, Gambino, Genovese und Colombo.