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Der Präsident als Diamantenhändler

Von Klaus Huhold

Politik
Die Diamanten werden unter einfachsten Bedingungen abgebaut. Foto: reu

Staatschef und Parlament werden am Sonntag gewählt. | Diamanten füllen auch die Kassa von Rebellen. | Bangui/Wien. Die Malaria ist für die Bewohner der Zentralafrikanischen Republik laufend eine tödliche Bedrohung. Die von Stechmücken übertragene Krankheit wütet im ganzen Land, doch es sind kaum Krankenhäuser oder irgendeine Form von medizinischer Versorgung vorhanden. Denn der Binnenstaat mit 4,8 Millionen Einwohnern gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Es wird zwar ein wenig Holz und Baumwolle exportiert, doch nicht einmal die eigene Bevölkerung kann versorgt werden, Lebensmittel werden aus Kamerun importiert. Aber einen großen Schatz, der ein paar wenigen Individuen Reichtum bringt, besitzt die Zentralafrikanische Republik: Diamanten.


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Und das führt mitten in die Politik. Legendär ist etwa die Diamantenkrone, die das Haupt des von 1966 bis 1979 herrschenden Diktators Jean-Bedel Bokassa schmückte und zwei Millionen Euro wert gewesen sein soll. "Die Staatschefs der Zentralafrikanischen Republik sind zuerst und vor allem Diamantenhändler", meinte einmal Jean-Paul Ngoupande, ein Politiker des Landes.

Das Zitat stammt zwar aus einer Buchveröffentlichung in den 1990er Jahren, doch trifft der Befund bis heute zu. Der derzeitige Präsident Francois Bozize scheint zwar nicht direkt an Unternehmen, die Edelsteine fördern, beteiligt. Doch indirekt verdient er laut Beobachtern an den Diamanten. Denn das ganze Geschäft geht durch seine Hände, er vergibt die Lizenzen für Handel und Export.

Regelmäßige Gehälter

Wenigstens zahlt Präsident Bozize die Gehälter der Staatsbeamten. Das war unter seinen Vorgängern keineswegs selbstverständlich und hat immer wieder zu Meutereien geführt. Die gute Zahlungsmoral von Bozize ist auch einer der Gründe, warum der Amtsinhaber Favorit bei der Präsidentenwahl am Sonntag ist. Denn vor allem in der Hauptstadt Bangui, mit etwa 700.000 Einwohnern das größte Ballungszentrum des Landes, hat dies für einen Aufschwung gesorgt, berichtet der Analyst Ned Dalby vom renommierten Thinktank "International Crisis Group". Große Familien können nun versorgt werden und davon profitieren etwa auch Marktverkäufer.

"In den ländlichen Regionen gab es aber kaum Verbesserungen", betont Dalby gegenüber der "Wiener Zeitung". Hier dürfte der Stimmanteil für Bozize daher teilweise auch geringer ausfallen.

Doch der ehemalige Rebell, der sich 2003 an die Macht putschte, hat noch einen weiteren Vorteil: Er entstammt wie etwa 35 Prozent der Einwohner der Ethnie der Gbaya, der größten Volksgruppe des Landes.

Teile der Opposition zweifeln ohnehin daran, dass die Wahl fair verlaufen wird. Staatschef Bozize und seine Partei hätten schon dafür gesorgt, dass bei der Präsidenten- und der gleichzeitig stattfindenden Parlamentswahl alles in ihrem Sinne läuft, meinen Oppositionelle. Sie kritisieren etwa, dass die Wahlkommission nicht unabhängig sei und an der Seite von Bozize stehe.

Doch in Teilen des Nordostens wird es ohnehin schwer werden, die Wahl durchzuführen. Einige Gebiete werden nämlich von den Rebellen der "Vereinigung der Patrioten für Gerechtigkeit und Frieden" (CPJP) beherrscht. Und auch hier kommen die Diamanten ins Spiel. Denn die CPJP betreibt laut Beobachtern mit Diamanten illegale Geschäfte und hält so ihren Aufstand am Leben.

Keine Ideologie

Es seien nicht die Edelsteine, die die Leute in die Arme der Rebellen treiben, sagt Dalby. "Vielmehr sind es die Armut und der Ärger über die schlechte Regierungsführung." Doch den Anführer der Rebellen ginge es nur ums Geschäft.

"Sie haben überhaupt keine Ideologie", betont der Analyst. "Sie wollen, dass die Regierung einen Preis für die Beendigung der Rebellion zahlt. Der Staat kontrolliert gewöhnlich die Ressourcen, und die Rebellenführer wollen ihren Anteil daran haben." Tatsächlich sind etwa die Befehlshaber zweier Rebellengruppen, die mittlerweile die Waffen niedergelegt haben, nun in der Regierung vertreten.

Auf der Strecke bleiben die Arbeiter, die Diamanten abbauen, berichtet die "International Crisis Group" in einer Analyse über die Zentralafrikanische Republik. Denn die Förderung der Edelsteine ist kaum industrialisiert. Die Arbeiter sind oft barfuß und haben zumeist nicht mehr als eine Schaufel und eine Spitzhacke zur Verfügung. Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen, etwa, wenn Grubenwände einstürzen.

Die Arbeiter und ihre Familien leben von der Hand in den Mund, die gefundenen Edelsteine verkaufen sie weit unter ihrem Wert an Zwischenhändler. Diese wiederum geben die Diamanten entweder an Schmuggler weiter oder an Firmen, die offiziell exportieren dürfen. Sowohl die Zwischenhändler als auch die Exportunternehmen benötigen eine staatliche Lizenz. Und hier endet die Kette des Diamantenabbaus beim Präsidenten.