Zum Hauptinhalt springen

Der Riesenplanet Jupiter erscheint am späteren Abendhimmel

Von Hermann Mucke

Wissen

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 11 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Sonnenchronik: Immer weiter sinkt die Dauer der lichten Tage, von 11 Stunden 39 am 1. auf 9 Stunden 58 Minuten am 31. Die Bürgerliche Dämmerung endet 32 Minuten nach Sonnenuntergang bei 6 Graden Sonnentiefe und dann erscheinen hoch am Himmel die ersten Sterne. Die nautische Dämmerung endet 1 Stunde 8 Minuten nach Sonnenuntergang bei 12 Graden Sonnentiefe; dann sind schon fast alle Sterne, aber auf See noch die Linie zwischen Himmel und Wasser, die freie Kimm, sichtbar. Der Name kommt von der dann günstig möglichen Messung von Sternabständen von der Kimm mit dem Sextanten zur Ortsbestimmung. Jede solche Messung, die noch zur Höhe des Sterns verbessert werden muss, bestimmt samt Uhrzeit einen Kreis auf der Erde, auf dem der Schiffsort liegt; aus dem Kimmabstand von zwei weiteren günstig liegenden Sternen ergibt der Schnittpunkt der drei "Ortskreise" (das "Fehlerdreieck") die Schiffsposition. Das ist das berühmte "Höhen-Standlinienverfahren" zur Ortsbestimmung.

Am 23. um 2.14 Uhr MESZ erreicht die Sonne, deren Wanderung im Tierkreis den Erdumlauf widerspiegelt, den Anfang des Tierkreiszwölftes Skorpion und am Sonntag, dem 28. wird 3 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit zu 2 Uhr Mitteleuropäische Zeit MEZ - die Sommerzeit endet.

Mondchronik: Am Monatsersten ist der Mond noch fast ganz rund und durchläuft am 5. im Stier seine Erdferne nahe Jupiter. Tags darauf zieht der Mond, immer noch im Stier, in höchster Himmelsbahn vom Aufgang bis zum Untergang. Das Letzte Viertel tritt am 8. in den Zwillingen ein und die perspektivische Schwankung des Mondkörpers, die Libration, lässt am 11. den Fleck Grimaldi fernstmöglich vom linken Mondrand stehen; auch liegt dann der Mondnordpol randfern. Am nächsten Tag steht der Mond unweit Venus und der 14. bringt die feine Altlichtsichel tief in der Morgendämmerung zwischen Osten und Ostsüdosten. Das ist die letzte sichtbare Mondphase vor dem Neumond am 15. Der Mond erscheint am 17. als zarte Neulichtsichel wieder tief in der Abenddämmerung zwischen Südwesten und Westsüdwesten und durchläuft dabei in der Waage seine Erdnähe. In niedrigster Bahn zieht der Mond am 19. im Schlangenträger vom Aufgang bis zum Untergang und am 22. ist im Steinbock das Erste Viertel eingetreten. Die Libration sorgt wieder dafür, dass am 23. das kleine Mare Crisium und am 24. der Mondsüdpol randfern steht. Das letzte Mondereignis ist der Vollmond am 29. im Widder.

Planetenlauf: Merkur und Saturn stehen zu nahe der Sonne am Himmel, um sichtbar zu sein. Venus strahlt hoch am Morgenhimmel zwischen Osten und Ostsüdosten und wechselt vom Löwen in die Jungfrau. Mars können wir abends tief nahe Südwesten aufspüren, er zieht von der Waage durch den Skorpion in den Schlangenträger. Jupiter taucht am späteren Abendhimmel auf, er steht vorerst niedrig, aber später hoch zwischen Ostnordosten und Osten im Stier.

Sternschnuppenstrom: Zwischen 16. und 30. können wir in dunkler, klarer Nacht (keinesfalls aus dem Fenster eines hell erleuchteten Zimmers) die Sternschnuppen der Orioniden sehen. Ihre nach rückwärts verlängerten Bahnen treffen sich zwischen Orion und Zwillingen und zeigen zwischen 20. und 22. in der zweiten Nachthälfte maximal 25 Meteore pro Stunde. Die Erde durchfliegt die Bahn des Halley’schen Kometen und fängt dessen ausgestreute Mikroteilchen auf, die in der Lufthülle verglühen.

Sternbilderhimmel: Die Karte gilt für den 6. um 22 Uhr und für den 21. um 21 Uhr. Das Kästchen J bedeutet Jupiter und der strichlierte Kreisbogen zeigt den Zug der Milchstraße. Das Große Norddreieck steht hoch im Westsüdwesten, die Fünfsternreihe zieht vom niedrigen Ostnordosten in den höheren Südosten. Aus dem Nordnordosten sind Fuhrmann und Stier aufgestiegen und im tiefen Süden steht der Südliche Fisch. Für gewöhnlich erkennen wir an den hellen Sternen keine Farbe; aber im unscharf eingestellten Fernglas, das dann statt Punkten kleine Lichtscheiben zeigt, erkennen wir Farben gut: Etwa Wega in der Leier weiß, Kapella im Fuhrmann gelb, Aldebaran im Stier rötlich. Die Farben zeigen die Oberflächentemperatur ("Je weißer, desto heißer"): Bläulich 20.000, Weiß 10.000, Gelb 6000, Orange 4800 und Rot 3000 Grad. Mit instrumentellen Hilfsmitteln kann aus dem Sternenlicht noch mehr herausgelesen werden, so der Grad der Leuchtkraft - Riesen- bis Zwergsterne - und die "Radialbewegung", die Bewegung in Blickrichtung.

Die fernen Sonnen der Sterne sind im Raum auch bewegt und mit bloßem Auge kann das in der Kassiopeia sogar im Vergleich mit Felszeichnungen vor 3000 Jahren erkannt werden. Der kleine Stern unter dem dritten geschriebenen Strich des "Himmels-W" der Kassiopeia steht heute knapp unter, damals ein wenig über dieser Sternlinie. Ähnliches ist auch am Sirius im Großen Hund zu sehen: Vor 1850 Jahren beschreibt ihn Ptolemaios in seinem "Almagest" am Maul des Großen Hundes, heute steht er rund eineinhalb Vollmonddurchmesser südlicher an dessen Hals; diese "Eigenbewegung" - Bewegung rechtwinklig zur Blickrichtung - ist so groß, weil er "nur" neun Lichtjahre weit weg ist.

Freiluftplanetarium: Sa., 13. Oktober 20 Uhr Sterngarten Georgenberg, Wien 23: Herbst-Sternbilder und besondere Sterne. Bei Schlechtwetter in der Kirche. Taschenlampe und Fernglas mitnehmen. Sa., 20. Oktober 19 Uhr Stadtlokal Alpenverein Edelweiß, Wien 1, Walfischgasse 12: Nova und Nova-Beobachtungen (Wolfgang Vollmann). Spenden erbeten.

www.astronomisches-buero-wien.or.at