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Der Scherbenhaufen ist wieder gekittet

Von Christina Weniger

Wirtschaft

Die Biedermeier-Rose als Dekor und der blaue Bindenschild, das Wappen des Hauses Habsburg, als Markenzeichen haben feinstes Geschirr und Figuren aus der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten weltweit zu einer unverwechselbaren Marke gemacht. Für die begehrten Stücke wurden bereitwillig hohe Preise bezahlt, und auch heute noch greifen Kunden für Porzellan von Augarten gerne tief in die Tasche. Doch die Manufaktur hat nicht nur "rosige" Zeiten hinter sich. Dem Aufschwung im heurigen Jahr gingen fünf sehr harte Jahre voran.


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Nachdem früher nur auf Bestellung gefertigt wurde und daher kein Kapital in einem umfangreichen Lager gebunden war, wurde dieses Konzept in den 80er Jahren aufgegeben. Der Wunsch nach verstärktem Export und mehr Arbeitsplätzen mündete in die Produktion auf Vorrat. Dazu wurden 100 Mill. Schilling in das Unternehmen investiert - bei einem Umsatz von 90 Mill. Schilling.

Doch dann brach plötzlich der Porzellanmarkt ein, und Anfang der 90er Jahre mussten große Traditionsunternehmen wie Wedgwood, Rosenthal oder Hutschenreuther Konkurs anmelden. Auch Augarten schlitterte in die Krise, doch nach einigen Personalrochaden hat es Christian Janisch, jetziger Geschäftsführer der Manufaktur, geschafft.

Sanierungsprogramm zeigt heuer erste Erfolge

Das 1995 gestartete Sanierungsprogramm wird heuer erste Früchte tragen: Lag das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) 1995 noch bei minus 34 Mill. Schilling, so wird es heuer bei plus 4 Mill. Schilling liegen. Die Umsätze sollen nach 155 Mill. Schilling im Jahr 1995 in diesem Jahr bereits 207 Mill. Schilling betragen. Und auch beim Personal können die Kosten von minus 124 Mill. (1995) auf minus 91 Mill. Schilling gesenkt werden.

Der neue Eigentümer werde also "eine schön geschmückte Braut" bekommen, ist Janisch im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" überzeugt. Die Manufaktur, die zu 63,06% der Bank Austria (BA) Industrieholding und zu 36,94% der Augarten-Beteiligungsgesellschaft gehört, soll ja verkauft werden. Mit dem Kaufpreis sollen die Schulden in Höhe von 50 Mill. Schilling bei der BA getilgt werden, die in den vergangenen Jahren rund 150 Mill. Schilling zugeschossen hat. Die BA will 50% an Augarten abgeben. Der Deal solle noch im September über die Bühne gehen und abgeschlossen werden, so Janisch.

Er selbst wünsche sich als neuen Eigentümer ein modisch orientiertes Unternehmen, das Qualität schätze. Er müsse Augarten "lieben" und genug Kapital haben, um die Marke auszuprägen. Bei den derzeitigen Kandidaten, darunter der österreichische Wäscheerzeuger Palmers und der italienische Porzellanerzeuger Ginori, sei zum Teil "viel Romantik im Spiel". Augarten müsse jedoch erhalten bleiben und dürfe nicht "zum Spielball persönlicher Eitelkeiten" werden. Dass das Unternehmen "eigentlich gar nicht verkauft werden müsse", wie es im "Kurier" vom Montag zu lesen war, habe er nie gesagt. Er, Janisch halte einen Verkauf sogar sehr gut für das Unternehmen. Der neue Eigentümer müsse allerdings sehr einfühlsam mit der Marke Augarten umgehen.

Die derzeit rund 160 Mitarbeiter, die in den vergangenen Jahren "große Opfer" gebracht hätten, fühlten sich schon wieder "etwas wohler", betont Janisch. Auch sie wünschen sich neues Kapital - sowohl für die Firma als auch für sie selbst: "Manche Mitarbeiter haben zwei Jobs, weil sie vom Augarten-Lohn nicht leben können. Eine Anhebung der Gehälter, die noch auf dem Niveau von 1994 sind, würde sie sehr motivieren", so Janisch.

Lifestyle-Produkte werden zum neuen Markenzeichen

Dem jährlich um 4% schrumpfenden Markt für Porzellan will Augarten mit Glasserien, Schmuckkollektionen und Lifestyle-Produkten entgegentreten. Diese Änderungen sollen jedoch aus der Tradition heraus entstehen. Der Schmuck verkaufe sich hervorragend, Augarten sei mit den Lieferungen bereits im Rückstand, ist Janisch erfreut und besorgt zugleich. Schließlich sei nichts schlimmer fürs Geschäft als nicht liefern zu können.

Kernmarkt sei immer noch Österreich, hier würden 75% der Umsätze getätigt. 60% des Exportes würden in Japan erzielt, nun sollen die Amerikaner ebenfalls zu Augarten-Liebhabern werden. Janisch kann sich zu diesem Zweck u.a. Augarten-Lifestyle-Shops gut vorstellen, die er in einigen Weltmetropolen wie New York, Tokio, Mailand oder London plant. Gegenüber Modemachern habe man den Vorteil, keine vier Kollektionen pro Jahr entwerfen zu müssen - Augarten sei zeitlos.

Janisch hat aber noch andere Ziele: Augarten sei "seriös börsefähig", meint er. Der Börsegang könne in zwei bis drei Jahren stattfinden, je nachdem, wer den Zuschlag bekommt. "Ginori ist selbst an der Börse und macht es ganz gut." Handelsplatz könnte Österreich, Japan oder die USA sein.