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Der Schmuggel boomt

Von Helmut Dité

Wirtschaft
17 Milliarden Zigaretten werden bei uns pro Jahr geraucht - die Gesamtmenge ist seit 2002 konstant. Foto: ap

"Es wird kaum weniger geraucht - aber viel weniger versteuert". | +++ AT-Mutter Gallaher mit Umsatzplus. | Wien. Die linke Augenbraue einen halben Millimeter gehoben, ein angedeutetes Lächeln, ein ganz leichtes Kopfschütteln: Mit britischem Understatement reagiert Austria Tabak-Chef Stefan Fitz - von Wien aus für die Konzernmutter Gallaher für mittlerweile 29 Länder verantwortlich - auf die jüngste Erfolgsmeldung der europäischen Gesundheitsminister, der Tabakkonsum habe um 15 Prozent nachgelassen. "Unsere Daten sind ganz anders - die rechnen offensichtlich den Schmuggel nicht ein".


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Steuereinnahmen unter den Erwartungen

Schon jede fünfte Zigarette in Österreich wurde im Jahr 2005 nicht legal versteuert, erklärte Fitz am Mittwoch vor der Presse in Wien. Und zitierte aus der Homepage des Finanzministers: 2005 nahm der Fiskus aus dem Posten Tabaksteuer 1,34 Milliarden Euro ein - und damit trotz kräftiger Steuererhöhung zu Jahresbeginn weniger als budgetiert, aus den geplanten Mehreinnahmen in Höhe von 90 Millionen für die Gesundheitsbudgets der Länder wurde nichts. Pro Jahr werden seit geraumer Zeit rund 17 Milliarden Zigaretten in Österreich geraucht - aber zuletzt um gut zehn Prozent weniger "offiziell" gekauft. Die Tendenz beim Schmuggel sei steigend - obwohl Fitz den Behörden erfolgreiches Bemühen attestiert: Der "Aufgriffsrekord" von 100 Millionen Stück illegal importierter Zigaretten - nach 80 Millionen im Jahr 2004 - sei lobenswert, größere Anstrengungen dennoch erforderlich. Nicht zuletzt, weil die Qualität der aus 36 Ländern kommenden Schmuggelware fragwürdig sei - "kein Mensch weiß, was die in China und Vietnam da rein tun".

"Wir können mit allem leben" - betont gelassen äußerte sich Fitz zum jüngsten "Preiskrieg" auf dem Zigarettenmarkt. "Die Einführung eines Mindestpreises ist Sache der Politik", erklärte er - Mittwochabend war im Parlament die Beschlussfassung über eine Verordnung zur Festlegung von Mindestpreisen für Zigaretten in Österreich - voraussichtlich in Höhe von 3,20 oder 3,30 Euro - auf der Tagesordnung.

Im Preiskrieg zeigt sich die Stärke der Marken

Die Erfahrung in anderen Ländern zeige, dass es bei einem echten "Preiskrieg" viele Verlierer gebe - unter anderem die Finanzminister. Mit Preissenkung bei mittlerweile vier AT-Marken - Smart, Benson & Hedges Red, Ronson und St. George - habe die AT als österreichischer Marktführer den "hingeworfenen Fehdehandschuh aufgegriffen" - " und es zeigt sich die Stärke der Marken". Zu Jahresbeginn hatten internationale Hersteller wie British American Tobacco (BAT) oder Imperial Tobacco ihre Preise für Einzelprodukte in Österreich gesenkt und damit die Preise in Bewegung gebracht. Mittlerweile werden 24 Marken - und 44 Sorten - unter 3 Euro angeboten, zu Jahresende waren es erst 10 Sorten. Österreichweit werden 90 Marken und 213 Sorten vertrieben.

Produktion in Österreich konkurrenzfähig

Die AT-Mutter, der weltweit tätige britische Gallaher-Konzern, hat im Geschäftsjahr 2005 das Betriebsergebnis (EBITA, vor Abschreibungen) um 3,2 Prozent auf 670 (648) Mio. Pfund (986 Mio. Euro) gesteigert, vor Abschreibungen und außerordentlichen Aufwändungen stieg das Ergebnis um knapp 7 Prozent auf 570 (534) Mio. Pfund. Der Umsatz (ohne Steuern) stieg um 2,2 Prozent auf 2,60 (2,55) Mrd. Pfund. Insgesamt wurden 173,8 Milliarden Zigaretten abgesetzt, um 2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Österreich wurden im Vorjahr erneut knapp 40 Mrd. Stück Zigaretten und Sonderprodukte wie "Singles" hergestellt, davon gingen gut 80 Prozent in den Export. In Österreich beschäftigt die AT 1.302 Mitarbeiter, in der Gesamtgruppe sind es rund 11.000. Eine Verlagerung der Zigarettenproduktion von Austria Tabak (AT) in osteuropäische Länder wie etwa Polen macht laut Fitz "keinen Sinn". "Selbstverständlich" sei die Produktion von Zigaretten in Österreich auch künftig konkurrenzfähig, die verbliebenen Standorte Linz und Hainburg gehörten zu den besten des Konzerns.