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Der schwierige Weg des würdevollen Friedens

Von Hülya Tektas

Gastkommentare
Hülya Tektas lebt als Journalistin und Soziologin in Wien.

Die PKK und der türkische Staat sind es den vielen Opfern des mehr als 30-jährigen bewaffneten Konflikts schuldig, dass endlich eine Lösung gefunden wird, die für beide Seiten gleichermaßen akzeptabel ist.


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Die Nachrichten über die türkischen Angriffe auf PKK-Lager im Nordirak und auch die Kündigung des Waffenstillstands seitens der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK mit der Begründung, dass ein einseitiger Waffenstillstand unnötig sei, beunruhigen seit Tagen Kurden und Türken gleichermaßen.

Ist der Frieden zwischen dem türkischen Staat und der PKK noch weiter in die Ferne gerückt?

Dabei bemühten sich - abgesehen von den Radikalen - die kurdische und die türkische Bevölkerung seit Beginn des Friedensprozesses vor zwei Jahren um Versöhnung.

Die chaotischen, ja sogar apokalyptischen Zustände in den kurdischen Provinzen der Türkei in den 1990er hinterließen tiefe Wunden. Entsprechend groß ist der Wunsch nach "würdevollem Frieden". Es geht nicht nur um die bloße Beendigung, sondern um eine für beide Seiten akzeptable Lösung des Konflikts. Also Frieden auf breiter Basis des gesellschaftlichen Konsenses, nach dessen Abschluss einander alle Seiten auf gleicher Augenhöhe begegnen können.

So groß war der Wunsch danach, dass man sich trotz Übergriffen und Ablenkungen seitens des türkischen Staates in den vergangenen zwei Jahren an die Hoffnung klammerte, den mehr als 30-jährigen bewaffneten Konflikt mit einer für beide Seiten respektablen Lösung zu beenden. Diesen Eindruck gewann jeder, der bereits die Gelegenheit hatte, die kurdischen Gebiete in der Türkei zu bereisen und sich mit den Menschen dort zu unterhalten. Die türkische Seite ihrerseits lernte die Kurden zu verstehen und zu akzeptieren.

Die jüngste Verhaftungs- und Gewaltwelle, die Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak und die Demonstrationen zeigen erneut, wie schwierig ein "würdevoller Frieden" umzusetzen ist. Der 1992 in der Kleinstadt Cizre an der türkisch-syrischen Grenze gestartete Volksaufstand der Kurden hält bis heute an und zeigt, wie unermüdlich ihr Kampf um die Anerkennung ihrer Rechte ist. Genau diese Entschlossenheit weckt die Hoffnung, dass sie mit derselben Beharrlichkeit ihren Kampf um respektablen Frieden weiterführen. Diesen Frieden brauchen alle Völker, die innerhalb der Grenzen der Türkei leben. Und allein dies sollte sie vereinen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Fast bis zum Ende der 13 Jahre andauernden Friedensverhandlungen im Nordirland-Konflikt gab es gewalttätige Auseinandersetzungen.

Noch ist es nicht zu spät, um es weiter zu versuchen. Das sind die beiden Seiten - sowohl der türkische Staat als auch die PKK - den Opfern des Konflikts schuldig. Sie sind es den vielen Toten, Verletzten und Veteranen schuldig, die sich hinter den banalen Zahlen der Statistik verbergen. Sie sind es den Menschen schuldig, die ihre Liebsten in diesem Konflikt verloren haben, die entwurzelt und traumatisiert wurden, die sich mit der Identitätskrise in der Diaspora zurechtfinden müssen. Sie sind es aber auch der verlassenen Landschaft und der zerstörten Natur schuldig.